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Weihen-Brutsaison 2014

Gegenüber dem vorjährigen Tiefstand kam es mit 27 Paaren zu einer erfreulichen Erholung des Brutbestandes der Wiesenweihe in der Hellwegregion von Unna bis Salzkotten; je ein weiteres Paar brütete auf der Paderborner Hochfläche nördlich von Fürstenberg und südwestlich von Marsberg-Meerhof. 23 Erstbrutplätze lagen innerhalb der Abgrenzung des Vogelschutzgebietes (VSG) Hellwegbörde. Aus anderen Landesteilen (Zülpicher Börde, Oppenweher Moor, Petershagen/ Kreis Minden-Lübbecke) sind mir durch F. Niemeyer und A. Hirschfeld drei Brutpaare bekannt geworden. Der Landesbestand liegt damit weiterhin auf einem niedrigeren Niveau als in den 1990er Jahren. Nach vorläufigem Auswertungsstand ist bei der Rohrweihe in diesem Jahr erneut von etwa 30 Brutpaaren innerhalb des VSG auszugehen, womit sich ein leichter langfristiger Abnahmetrend gegenüber den 1990er Jahren abzuzeichnen scheint.

Die Weihen profitierten von dem erheblich gestiegenen Feldmausbestand, der nach eigenen Mäuseloch-Erfassungen auf Stoppelfeldern ähnlich hoch wie im letzten Spitzen-Mäusejahr 2010 war. Die schlechtere Erreichbarkeit von Mäusen in den überwiegend sehr dichten Getreideschlägen fiel dadurch nicht so stark ins Gewicht. Bei einigen Getreidearten wurden, u.a. wegen der hohen Halmdichte, bisher nicht dagewesene Spitzenerträge erzielt, zumal ab dem späten Frühjahr ausreichend Niederschläge fielen.

Obwohl der März außergewöhnlich warm und sonnig war, kam die große Masse der Rohrweihen eher später als gewöhnlich in den Brutgebieten an. Bei der Wiesenweihe lagen die ersten Beobachtungen im normalen Rahmen. Günstig für die Brutansiedlung von Weihen war die Frühjahrswitterung. Der überdurchschnittlich warme Frühling, nach einem ausgesprochen milden Winter, ließ die Getreidefelder schnell in die Höhe schießen, so dass selbst die gewöhnlich später sich entwickelnden Weizenschläge meist schon Anfang Mai über 50 cm hoch gewachsen waren und damit als Nisthabitat für Weihen in Frage kamen. So brütete die Hälfte der Wiesenweihen in Winterweizenschlägen (die andere Hälfte in Wintergerste)- ein bisher in der Hellwegregion noch nicht beobachteter Höchstwert. Ähnlich war die Verteilung von einem Dutzend Getreidenestern der Rohrweihe.

Insgesamt wurden 74 Wiesenweihen flügge, was 2,6 Jungvögel pro Brutpaar entspricht. Dieser Spitzenwert wurde seit 1993 nur ein weiteres Mal, im Mäusejahr 2007, erreicht. Wegen der relativ frühen Getreideernte waren für 68% aller jungen Wiesenweihen 50 x 50 m große Schutzzonen nötig, um sie vor dem Mähtod zu bewahren. Auch bei einigen Getreidebruten der Rohrweihe war dies der Fall. Nahezu alle betroffenen Landwirte bw. Bewirtschafter waren aufgeschlossen und beteiligten sich dankenswerter am Schutzprogramm. Sie erhielten wie in den Vorjahren den Ertragsausfall für die Schutzzonen aus Landesmitteln erstattet. Ein Landwirt entdeckte bei der Ernte ein mir bis dahin unbekanntes Nest der Rohrweihe, das mit einem Elektro-Schafzaungeflecht erfolgreich geschützt wurde. Der Landwirt erhielt dafür eine Finderprämie aus dem Topf der Hellwegbörde-Vereinbarung.

Zum relativ guten Bruterfolg der Wiesenweihe haben neben den vielen Feldmäusen wohl auch die 1,7 m x 1,7 m grossen Schutzzäune beigetragen, die um etwa ein Drittel der Wiesenweihennester aufgestellt wurden. Infolgedessen waren nur sehr wenige Verluste durch Bodenfeinde zu beklagen. Nach den wenigen frühen Brutverlusten infolge von Prädation von Gelegen ohne Schutzzaun erfolgten zudem erfolgreiche Ersatzbruten.

Generell war das Umkippen von Getreide (Lagerbildung) nach Dauerregen oder starkem Wind in dieser Brutsaison ein besonders großes Problem, vor allem im Winterweizen. Oftmals waren Weizenbestände komplett ins Lager gegangen. Ein Nest in einem Gerstenfeld bei Völlinghausen/Erwitte war wegen umgekippten Getreides nach lang andauernden Regenfällen Ende Mai weder für die Wiesenweihen noch für mich auffindbar. Hier kam es noch zu einer erfolgreichen Ersatzbrut in einem nahen Weizenfeld. Mehrfach gelang es durch schnelles Einschreiten die Bruten zu retten, in dem Christian Härting und ich unverzüglich umgekipptes Getreide um diese Nester wieder aufrichteten oder dadurch, dass wir dort Schutzzäune aufstellten (Link 1, Link 2). In einem Fall kam ich zu spät, die Jungen waren vom umgekippten Weizen komplett zugedeckt worden und verhungerten, weil das Weibchen die Jungen nicht mehr wiederfinden konnte (Link). 

In zwei Fällen waren Gelege- oder Jungvogelverluste menschlich bedingt. In einer Schutzzone bei Ebbinghausen/Erwitte wurden zwei fast flügge Rohrweihen offenbar durch Menschenhand getötet, wie die Obduktion durch das Staatliche Veterinäramt Arnsberg zeigte. Ein gerade flugfähiger Jungvogel überlebte den menschlichen Eingriff. Ein Wiesenweihengelege bei Hemmerde wurde von einem Unbekannten aufgesucht und die Vegetation rund um das Nest heruntergetreten, was zum Verlassen des bebrüteten Geleges führte. Das Brutmännchen schloss zum Glück seine zweite Brut mit einem anderen Weibchen erfolgreich ab. In einem Nest bei Scharmede waren die drei jungen Wiesenweihen im Rachen von Geißeltierchen (Trichomonaden) befallen, die durch die Verabreichung eines geeigneten Medikamentes gerettet wurden.

Mehrere Ablesungen von markierten Wiesenweihen gelangen auch in dieser Brutsaison. Ein flügelmarkiertes Weibchen brütete nun im zweiten Jahr und erneut erfolgreich, allerdings rund 10 km östlich vom Vorjahresbrutplatz bei Langeneicke entfernt. Das dazugehörige Männchen war ebenfalls flügelmarkiert; der Brutplatz befand sich rund 8 km vom vorjährigen bei Steinhausen entfernt, wo es zum Brutverlust durch die Grünroggenmahd gekommen war. Ein Männchen mit zwei Flügelmarken, das 2010 bei Salzkotten ausflog, war in den Brutzeiten 2011 bis 2013 mehrfach als Nichtbrüter in den Hellwegbörden beobachtet worden. Dieses Männchen brütete jetzt im vierten Lebensjahr erstmals und das gleich zweimal. Es versorgte gleichzeitig zwei Weibchen und deren Jungvögel mit Beute; die beiden Bruten nördlich bzw. südlich von Langeneicke waren erfolgreich. Das bei Marsberg-Meerhof erfolgreich brütende Männchen trug wie im Vorjahr einen weißen Farbring, aber mit einer anderen Nummer. Diese Weihe markierte ich im Juli 2010 im Vogelschutzgebiet südwestlich von Upsprunge. Im Vorjahr war der Brutversuch dieses Männchens südöstlich von Upsprunge erfolglos. Eine in Mainfranken aufgewachsene weibliche Wiesenweihe wurde als Brutvogel in der Hellwegpopulation festgestellt und ein in der Hellwegregion im Jahr 2010 ausgeflogenes Männchen brütete in diesem Jahr erfolgreich in der Zülpicher Börde.

In den Monaten Mai und Juni waren erneut einige nicht brütende Kornweihen in der Hellwegbörde und auf dem Haarstrang zu beobachten, darunter auch ausgefärbte Männchen. Nur einmal war in der potenziellen Brutzeit eine Sumpfohreule zu beobachten: am 17.4.2014 über einer Biokleegrasfläche bei Vierhausen jagend. Diese in NRW höchst seltene Eulenart brütete in diesem Jahr in einer Moorfläche im Kreis Steinfurt (R. Tüllinghoff mündlich).

Wie schon in den Vorjahren wurden im August vor allem auf dem Haarstrang südlich der B1 spätsommerliche Schlafplatz-Gesellschaften von Wiesen- und Rohrweihen v.a. in noch nicht abgeernteten Weizen- und Zuckerrüben-Beständen festgestellt, meist in den Feldfluren, in denen schon in Vorjahren Schlafplätze belegt waren. Die größte Schlafplatz-Ansammlung von Wiesenweihen mit 10 Expl. sah ich bei Neuengeseke und die größte von Rohrweihen mit mehr als 20 Expl. in der hoch gelegenen Feldflur südwestlich von Marsberg-Meerhof. Wegen der frühen Weizenernte waren die Schlafplätze in den tieferen Lagen oft nur ein paar Tage nutzbar, so dass die Weihen sich immer wieder neue, noch nicht abgeerntete Felder zum Schlafen suchen mussten.

In der Hellwegregion wurde die ehemals weit verbreitete Grauammer wie schon in den Vorjahren nicht mehr als Brutvogel der Agrarlandschaft festgestellt. Es gab nur einen Gesangsnachweis auf dem Kleiberg, einem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Büecke. Während der Weihenerfassungen protokollierte ich in den Feldlandschaften in der Hellwegregion nur noch vereinzelt Wiesenpieper, Rohrammern und Turteltauben. Sie sind zu Raritäten geworden, die bald gänzlich verschwinden dürften. Die Brutbestände von Wiesenpieper und Rohrammer im VSG lagen zur Jahrtausendwende noch jeweils bei weit über hundert Brutpaaren. In diesem Jahr vernahm ich nur sehr wenige rufende Wachteln- die niedrigste von mir festgestellte Zahl seit 2006. Erst die Folgejahre werden zeigen, ob sich auch bei dieser jahrweise sehr stark im Bestand schwankenden Art ein Rückgang abzeichnet.

Erneut brütete im Windpark östlich von Merklingsen ein Wiesenweihenpaar. Wie in den Vorjahren wurden gefährliche Annäherungen v.a. der Altvögel an die WEA beobachtet. Ähnliches sah und fotografierte ich bei Balzflügen von drei Wiesenweihen im Windpark bei Hilbeck/ Brünningser Berg. Hier kam es zu keiner Brutansiedlung der Wiesenweihe, aber am Rand zur Ansiedlung eines Rohrweihenpaares, das erfolglos brütete. Wie schon im Vorjahr verfügte das Verwaltungsgericht Arnsberg aufgrund einer Klage des NABU NRW die Tagesabschaltung einer einzelnen WEA bei Ebbinghausen/Erwitte in der Brutzeit der Rohrweihe. Im 1 km-Radius um diese WEA brüteten mindestens 4 Rohrweihenpaare erfolgreich. Die Entscheidung im Hauptsache-Verfahren steht immer noch aus. Zu weiteren problematischen Windpark- und Straßenplanungen, v.a. zur Ortsumgehung Salzkotten, siehe meine Ausführungen im Bericht zur Weihen-Brutsaison 2013.

Im traditionellen Brutgebiet der Wiesenweihe zwischen Geseke-Hölterberg und Salzkotten-Upsprunge brüteten in diesem Jahr nach mehrjährigem Ausbleiben erstmals wieder (zweimal erfolgreich) Wiesenweihen. Dies dürfte auch auf den verstärkten Anbau von Wintergetreide auf Kosten von Mais (v.a. für zwei dort errichtete Biogasanlagen) zurückzuführen sein. Ob diese Verschiebung bei den Anbaufrüchten im zentralen Teil der Feldflur nur ein Zufall in Folge der Fruchtfolge war oder auf eine verstärkte Beteiligung an dem Förderprogram „Vielfältige Fruchtfolgen“ zurückzuführen ist, bleibt abzuwarten.

Hubertus Illner

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