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Situation der Wiesenweihe in Europa ungünstig- Ergebnisse einer Tagung in Warschau

Beatriz Arroyo und Jean-Luc Bourrioux am Eingang zum Tagungsgebäude in Warschau Rund 70 Teilnehmer besuchten am 22.11.2014 die international ausgerichtete Wiesenweihen-Tagung in der Universität von Warschau, zu der Dominik Krupinski eingeladen hatte. Vorträge aus den drei EU-Ländern mit den größten Brutbeständen (Spanien, Frankreich, Polen mit jeweils > 3000 Brutpaaren) sowie aus den Niederlanden, Ungarn und Deutschland gaben Hinweise darauf, dass die Zukunft für die Wiesenweihe in Europa ungünstig aussieht. Dies gilt insbesondere für Spanien. Baetriz Arroyo zeigte, dass in den drei bedeutendsten Vorkommensgebieten in Westspanien inklusive Extremadura die Brutbestände oder Fortpflanzungsziffern seit 2006 zurückgehen; ebenso ist bei zunehmend weniger Paaren ein Nestschutz von Getreidebruten gewährleistet.


Besonders negativ werden sich Kontrakte auswirken, die Spanien zum größten Exporteur von Luzernepellets (Viehfutter) nach China und in arabische Staaten machen. Dafür werden naturnahe Flächen oder extensive Landwirtschaftsflächen in einen Intensivanbau mit Bewässerung umgewandelt, womit der Wiesenweihe wegen der sehr frühen Mahd keine geeigneten Brutmöglichkeiten mehr zur Verfügung stehen. Auch in Frankreich gibt es Regionen mit abnehmenden Brutbeständen, v.a. in solchen mit intensivem Ackerbau (Vortrag Jean-Luc Bourrioux). In Polen, vor allem in Ostpolen, scheint die Situation noch am besten zu sein, weil noch ein erheblicher Teil der Wiesenweihen in naturnahen Habitaten brütet, wo Nestzerstörungen durch Erntemaschinen kaum vorkommen (Vortrag Dominik Krupinski). Da das Beobachternetz in Polen relativ klein ist, wurde ein Stichprobenverfahren angewendet, mit dem 3000 bis 4700 Brutpaare für das Jahr 2013 hochgerechnet wurden (Vortrag Lechoslaw Kuczynski). Robert Rutkowski berichtete über genetische Analysen anhand von Federn aus Spanien, Deutschland und Polen. Wiesenweihen aus Deutschland scheinen die geringste genetische Variabilität aufzuweisen, die aus Polen die höchste. In Ungarn wurde der Bestand im Jahr 2004 auf 230 bis 280 Brutpaare geschätzt (etwa die Hälfte in Ackerkulturen) und im Jahr 2013 nur noch auf 50 bis 100; Verluste v.a. in Agrarräumen, wo kaum Nestschutz stattfindet (Vortrag von Zoltán Turny). Im eigenen Vortrag wurde gezeigt, dass zumindest in „Norddeutschland“ (alle Bundesländer außer Bayern und Baden-Württemberg) der in den 1960er Jahren bekannte Brutbestand nach Glutz et al. (1971) mindestens genauso hoch war wie der aktuell erfasste. Da damals eine geringere Erfassungstätigkeit gegeben war, ist wahrscheinlich, dass der reale Brutbestand in den 1960er Jahren hier größer als heute war. Zwei Bundesländer, NRW und Mecklenburg-Vorpommern, zeigen zudem seit 2004 gesicherte Bestandsabnahmen. Nur in Bayern haben die Bestandszahlen vor allem durch die Etablierung einer großen Population in Mainfranken seit den 1990er Jahren deutlich zugenommen; allerdings ist in den letzten Jahren ein Rückgang der Fortpflanzungsziffer zu beobachten. Der deutsche Bestand beziffert sich nach Umfrageergebnissen im Jahr 2013 auf rund 410 nachgewiesene Brutpaare, unter Einrechnung von Erfassungslücken waren es wahrscheinlich ca. 480. Ben Koks und Almut Schlaich berichteten über Habitatverbesserungen für die Wiesenweihe in den Niederlanden und über neue Ergebnisse zur Ökologie auf dem Zug und in den Überwinterungsgebieten (Näheres dazu in Publikationen: http://werkgroepgrauwekiekendief.nl/index.php?id=144&action=publicaties).
Anlass für diese Tagung war das zwanzigjährige Bestehen der polnischen Naturschutzorganisation „Bocian/Storch“ (http://www.bocian.org.pl/). Eines der Tätigkeitsfelder ist der Schutz und die Erforschung der Wiesenweihe in Polen (http://pygargus.pl/o-nas).
Näheres zum westfälischen Weihenschutzprogramm hier (H. Illner)
                                                                                                                                                                              

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