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Weihen-Brutsaison 2015

Wie schon 2008 und 2011 kam es in der Hellwegregion auch in diesem Jahr nach der Feldmausgradation im Vorjahr zu einem Bestandseinbruch bei der Wiesenweihe: von Unna bis Salzkotten verminderte sich Brutpaarzahl von 27 auf 16. Wie im Vorjahr gab es noch zwei Erstbruten auf der Paderborner Hochfläche (bei Marsberg-Meerhof), wo die Feldmaus auch 2015 in hoher Dichte vorkam. Die größte Nest-Konzentration gab es im Raum Langeneicke-Geseke-Verlar mit 6 Brutpaaren. 15 Brutplätze lagen innerhalb der Abgrenzung des Vogelschutzgebietes (VSG) Hellwegbörde. Aus anderen Landesteilen (Zülpicher Börde und Grenzbereich zu Niedersachsen) sind mir von F. Niemeyer und A. Hirschfeld drei weitere Brutpaare gemeldet worden. Der Landesbestand liegt mit gut 20 Brutpaaren also weiterhin auf einem deutlich niedrigeren Niveau als in den 1990er Jahren. Nachtrag 11.3.2016: Erst heute erfuhr ich, dass es auch noch in der Warburger Börde eine erfolgreiche Brut in einem Weizenfeld gab.
Bei der Rohrweihe ist nach vorläufigem Auswertungsstand wie in den beiden Vorjahren von nur noch etwa 30 Brutpaaren innerhalb des VSG Hellwegbörde auszugehen. Westlich von Soest hat sich der Rückgang fortgesetzt. Das größte Dichtezentrum mit rund 15 Brutpaaren befand sich wie im Vorjahr im Raum Schmerlecke-Ebbinghausen-Stirpe-Völlinghausen.

 

Nach eigenen Mäuseloch-Erfassungen waren im März am Hellweg noch viele aktive Mäuselocheingänge auf den Feldern zu sehen. Dann kam es – abgesehen von der Paderborner Hochfläche – wohl in vielen Feldfluren zu einem Bestands-Zusammenbruch bei der Feldmaus, wie die späteren sommerlichen Zählungen auf Stoppelfedern zeigten. Ungünstig war zudem für jagende Weihen die relativ schlechte Erreichbarkeit der Mäuse in den Wintergetreidebeständen auf den guten Böden, die nach einem milden Winter schnell dicht und hoch wuchsen. Allerdings führte relativ trocken-kalte Witterung im Frühjahr zu einer merkbaren Ausdünnung der Getreidebestände auf den flachgründigen Böden des Haarstranges und der Paderborner Hochfläche, so dass die Mäuse dort besser für Weihen erreichbar waren.
Die Mäusearmut und die relativ kalte Witterung in der zweiten Maihälfte führten dann wohl zu dem durchschnittlich späten Legebeginn bei beiden Weihenarten. Die Wiesenweihen brüteten ausschließlich in Getreidebeständen, Rohrweihen zu einem großen Teil in Schilf und anderen Hochstauden. Getreidenester der Wiesen- und Rohrweihen befanden sich weit überwiegend in der Wintergerste. Wegen des späten Brutbeginns waren Grünroggenbestände zur Beschickung von Biogasanlagen nicht sonderlich attraktiv, so dass dort zum Glück keine Ansiedlung oder gar Gelege von Wiesenweihen feststellbar waren.  
Es  wurden 42 Wiesenweihen flügge bzw. 2,3 Jungvögel pro Brutpaar. Alle Jungvögel wurden beringt und erhielten einen weißen Farbring mit zwei Ziffern. Dieser Durchschnittswert liegt nur etwas unter dem Spitzenwert des Vorjahres und ist angesichts der Nahrungssituation überraschend gut. Neben den intensiven Schutzmaßnahmen (um etwa die Hälfte der Nester brachte ich zusätzlich einen Schutzzaun an) haben die ungewöhnlich selten zu verzeichnenden Brutverluste durch Beutegreifer (es gab nur einen Verdachtsfall) zu dieser relativ hohen Fortpflanzungsrate geführt. An einem Brutplatz bei Marsberg-Meerhof, der nur ca. 100 m von einer Windenergeianlage entfernt war, kam es zu einem ungeklärten Brutverlust.
Im Gegensatz dazu war der Bruterfolg der Rohrweihe bei 17 Nestern in landwirtschaftlichen Kullturen unterdurchschnittlich. Das ergab sich im Wesentlichen durch überdurchschnittlich viele durch Säugetiere verursachte komplette Brutverluste; häufig wurden Jungvögel noch im fortgeschrittenen Alter getötet und meist sogar liegen gelassen.
Wegen des relativ späten Brutbeginns waren die meisten jungen Weihen noch nicht vor der Getreideernte flügge, sodass 11 Schutzzonen für die Wiesenweihe und 7 für die Rohrweihe nötig wurden, um sie vor dem Mähtod zu bewahren. Die in der Regel 50 m x 50 m großen Schutzzonen wurden von allen betroffenen Landwirte bzw. Bewirtschaftern dankenswerterweise eingerichtet und so lange vorgehalten, bis die Jungvögel ausgeflogen waren. Sie erhielten den Ertragsausfall für die Schutzzonen aus Landesmitteln erstattet. Zwei Landwirte entdeckten je eine Rohrweihenbrut bei der Ernte, die mir nicht bekannt waren. Sie meldeten mir diese und erhielten dafür eine gesonderte Finderprämie aus dem Topf der Hellwegbörde-Vereinbarung.
Zahlreiche Ablesungen von markierten Wiesenweihen gelangen auch in dieser Brutsaison. Der einzige noch vorhandene flügelmarkierte Brutvogel, ein Weibchen, brütete nun schon im dritten Jahr erfolgreich. Die meisten Ablesungen betrafen weiße Farbringe, die ich in den letzten Jahren nestjungen Wiesenweihen in der Hellwegregion angelegt hatte. Darunter auch das Männchen 06, dessen dokumentierter Lebensweg bis ins Jahr 2006 zurückreicht (Näheres hier). Wie im Vorjahr schien dieses Top-Männchen auch in diesem Jahr mit zwei Weibchen verpaart zu sein, bei Ostönnerlinde und bei Bilme. Beide Bruten scheiterten gleichzeitig, weil offensichtlich das Männchen plötzlich verschwunden, wahrscheinlich tot war (Näheres hier).
Herauszuheben ist der Nachweis eines brütenden vorjährigen Weibchens aus Brandenburg, das bei Marsberg-Meerhof mit einem markierten Männchen aus der Hellwegbörde zwei Junge aufzog (Näheres hier). 
Erstmals wurde auch die Brutansiedlung einer mittelwestfälischen Wiesenweihe in Mainfranken festgestellt, wo die mit Abstand größte deutsche Brutpopulation lebt (Näheres hier).
In den Monaten Mai und Juni 2015 sah ich in der Hellwegregion erstmals seit 2006 keine Kornweihe, nur einmal ein Männchen auf der Paderborner Hochfläche. Zweimal gelang mir die Beobachtung einer männlichen Steppenweihe, am 21.4.2015 bei Hattrop und am 13.9.2015 bei Störmede.
Schlafplatz-Gemeinschaften von Weihen fand ich wie in den Vorjahren im August bis Anfang September auf dem Haarstrang und auf der Paderborner Hochfläche, meist in Feldfluren, die schon in den Vorjahren zum Schlafen genutzt wurden. An mehreren Stellen flogen nach Sonnenuntergang 10 oder mehr Wiesen- und Rohrweihen in Getreidefelder, Brachen oder Zuckerrübenfelder ein. Unter den im August und Anfang September auf dem Haarstrang und der Paderborner Hochfläche rastenden diesjährigen Wiesenweihen war fast die Hälfte unberingt, sie waren also nicht in der Hellwegregion aufgewachsen. Dies unterstreicht die Bedeutung dieser Hochlagen auch für fremde Wiesenweihen, die hier auf dem Durchzug zum Teil wochenlang rasten.
Während meiner Weihenerfassungen ließen sich keine singenden Grau- und Rohrammern feststellen und nur einige wenige Turteltauben und Wiesenpieper. Rufende Wachteln waren wie im Vorjahr sehr selten zu vernehmen.
Hubertus Illner

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