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Weihen-Brutsaison 2016

Hatte es schon im Vorjahr einen Bestandseinbruch bei der Wiesenweihe in der Hellwegregion von 27 auf 16 Brutpaare (plus 2 Brutpaare auf der Paderborner Hochfläche) gegeben, so verminderte sich die Brutpaarzahl in diesem Jahr nochmals auf nur noch 12 (plus 2 auf der Paderborner Hochfläche), davon nur 8 innerhalb der Abgrenzung des EU-Vogelschutzgebietes (VSG) Hellwegbörde. Zu den 12 Brutpaaren der Hellwegregion gehören zwei, die weit nördlich des gewöhnlichen Brutareals, bei Schachtrup bzw. Beckum, brüteten.
In der Feldflur Vierhausen-Ruhne-Gerlingen gab es erstmals seit Jahrzehnten -trotz eines balzenden Paares- keine Brut; zu einer möglichen Ursache dafür, einem vermehrten Maisanbau nach Aufgabe eines Öko-Betriebes, Näheres hier. Im Raum westlich Upsprunge bis Hölterberg brütete wieder nur ein Paar; vor 2011 waren es bis zu vier. Nach der Inbetriebnahme von zwei Biogasanlagen verdoppelte sich hier der Flächenanteil von Mais auf 21,5% im Jahr 2011. In diesem Jahr war nochmals eine Erhöhung auf 25,2% Flächenanteil Mais festzustellen, während der Brachenanteil weiter bei nur rund 2% lag.
Im westlichen Brutareal bis Erwitte lagen die Brutplätze weit voneinander, jeweils rund 5 bis 15 km vom nächsten Nachbarn entfernt. Im östlichen Areal im Raum Langeneicke-Geseke-Upsprunge brüteten alle fünf Brutpaare weniger als 6 km voneinander entfernt. Hier und auf der Paderborner Hochfläche bei Etteln brüteten in insgesamt drei Fällen sogar jeweils zwei Paare in Sichtweite zueinander (Nestabstände 80 bis 170 m).

Aus NRW sind nach jetzigem Kenntnisstand nur noch zwei weitere Brutpaare gefunden worden, in der Zülpicher Börde und im Kreis Minden-Lübbecke. Lag der Landesbestand der Wiesenweihe im Vorjahr mit 22 Brutpaaren schon auf einem erheblich niedrigeren Niveau als in den 1990er Jahren, ist er nun nochmals auf insgesamt nur noch 16 Brutpaare abgesunken, dem niedrigsten Brutbestand seit den 1980er Jahren.


Bei der Rohrweihe ist nach vorläufigem Auswertungsstand wie in den drei Vorjahren von nur noch rund oder sogar weniger als 30 Brutpaaren innerhalb des VSG Hellwegbörde auszugehen. Besonders westlich von Soest ist der Bestandsrückgang inzwischen dramatisch: innerhalb des VSG Hellwegbörde gab es nur noch ein (erfolgloses) Brutpaar; ein weiteres (erfolgreiches) knapp außerhalb östlich von Hilbeck im Bereich der geplanten Trasse der A445 Sönnern-Rhynern. Die größten Dichtezentren mit rund 10 Brutpaaren befanden sich wie in den Vorjahren im Raum Schmerlecke-Ebbinghausen-Stirpe-Völlinghausen und im/am NSG Stockheimer Bruch. Erneut wurden brütende Rohrweihen in über 30 Jahre alten, großen Steinbrüchen mit Wasserflächen und Hochstauden festgestellt. An mehreren Stellen in Getreidekulturen hielten sich zeitweise Rohrweihen brutverdächtig auf, ohne dass es zur Brut kam. Die gewöhnlich ab der zweiten Maihäfte vermehrt auf dem Haarstrang und der Paderborner Hochfläche auftauchenden, noch nicht brütenden ein-und zweijährigen  Rohrweihen, die hier mausernd übersommern, sah ich in diesem Jahr in so geringer Zahl, wie es seit 2006 nicht der Fall war.

Eigene standardisierte Mäuseloch-Erfassungen auf Stoppelfeldern im Juli und August erbrachten im Schnitt am Hellweg und auf der Paderborner Hochfläche sehr niedrige Zählergebnisse, die noch unter denen des Vorjahres lagen. Auch die Erreichbarkeit der Feldmäuse war meist schlecht, weil die Wintergetreidebestände in der Regel relativ dicht gewachsen waren und wenig Getreide im Mai und Juni ins Lager ging. Zu der Mäusearmut passt, dass Altvögel oft Vogelbeute zum Nest brachten. Ein Männchen fing Anfang Mai gezielt Waldeidechsen an einer Bahnstrecke am Ortsrand von Ostönnerlinde. Im Juli und August wurden mehrfach über den Getreidefeldern von kalksteinreichen Äckern auf der nördlichen Haarabdachung südlich von Eikeloh-Störmede jagende Wiesenweihen beobachtet, die Großinsekten (Heupferde oder Libellen) von der Vegetation auflasen und zum Teil in der Luft aus den Fängen fraßen.

Die Mäusearmut und die ungewöhnlich kalte Witterung Mitte Mai sind wohl Ursachen für den durchschnittlich späten Legebeginn bei beiden Weihenarten. Die Wiesenweihen brüteten bis auf eine Ausnahme (Bio-Kleegras) in Getreidebeständen (elfmal Wintergerste, dreimal Triticale). Rohrweihen nisteten zu einem großen Teil im Schilf und anderen Hochstauden, ansonsten vor allem in der Wintergerste. Wegen des späten Brutbeginns waren Grünroggenbestände (meist zur Beschickung von Biogasanlagen) in diesem Jahr nicht sonderlich attraktiv für Weihen. Nur einmal balzten früh angekommene Wiesenweihen über Grünroggenschlägen bei Robringhausen bis zu deren Aberntung Anfang Mai.

Mit insgesamt 29 flüggen Wiesenweihen bzw. 2,1 Jungvögeln pro Brutpaar wurde eine überdurchschnittlich hohe Fortpflanzungsziffer erreicht. Nur einmal kam es nach dem Verlust des angefangenen Geleges bei Etteln zu einer Ersatzbrut. Mit einer Ausnahme (Nest bei Beckum in Triticale) flogen alle anderen Jungen nur dank des Nestschutzes aus, denn die Jungen waren vor der regulären Ernte noch nicht flugfähig gewesen. Alle Bewirtschafter beteiltigten sich bereitwillig am Schutzprogramm, darunter auch ein Landwirt aus Langeneicke, der auf eine über 30-jährige Mitarbeit beim Weihenschutz zurückblicken kann. Sie erhielten den Ertragsausfall für die Schutzzonen aus Landesmitteln erstattet. Alle Jungvögel der Wiesenweihe wurden beringt und erhielten zusätzlich einen weißen Farbring mit zwei Ziffern, die bei geeigneten Bedingungen mit dem Spektiv abgelesen werden können.

Der Bruterfolg der Wiesenweihe liegt nur etwas unter dem Spitzenwert des letzten Mäusejahres (2014). Er ist angesichts des Mäusemangels überraschend hoch. Neben den intensiven Schutzmaßnahmen (um die Hälfte der Nester brachte ich zusätzlich einen Schutzzaun an) haben die selten zu verzeichnenden Brutverluste durch Beutegreifer (es gab nur zwei Fälle) dazu beigetragen. Wegen des Mäusemangels schritten einige Wiesenweihen nicht zur Brut, so dass offenbar nur die besonders erfahrenen und fitten Männchen eine Brut eingingen. Die meist hohen innerartlichen Nestabstände führten außerdem dazu, dass Brut-Männchen meistens ein großes Jagdgebiet für sich allein zur Verfügung hatten, also wenig Nahrungskonkurrenz anzunehmen ist. Bei den zurückgehenden Brutbeständen gewichtsmäßig bedeutender alternativer Beutetiere (Feldlerche, Wiesenpieper, Ammern) brauchen die Männchen in mäusearmen Jahren vermutlich größere Jagdgebiete, um ausreichend Beute für das Weibchen und die Jungen machen zu können.

An einem Brutplatz bei Etteln, in dessen Nähe Windenergieanlagen beantragt sind, kam es zu einem seltsamen Brutverlust durch ein Säugetier, zu dem möglichweise menschliches Einwirken beigetragen hat. Südwestlich von Marsberg-Meerhof, wo Wiesenweihen in den letzten Jahren mehrfach brüteten, sah ich im Mai einige Male adulte Wiesenweihen, die allerdings nicht zur Brut schritten. Erhebliche Störungen im Zuge des Baus eines Windparks in dieser bisher ungestörten Feldflur, die im Frühjahr einsetzten, dürften eine Ursache für das Ausbleiben einer Brutansiedlung sein. In einem Vortrag auf einem NABU-Workshop in Düsseldorf im März 2016 bin ich auch auf dieses Thema eingegangen (Link zum Vortrags-PDF von 6 MB). 

Im Gegensatz zur Wiesenweihe war der Bruterfolg der Rohrweihe bei 11 Nestern in landwirtschaftlichen Kulturen unterdurchschnittlich. Das ergab sich durch von Säugetieren verursachten kompletten Brutverlusten (vor allem ältere Jungvögel waren betroffen) und in einem Fall durch fehlenden Nestschutz. Bei einem Nest flogen die Jungen dank der Einrichtung einer 50 x 50 m großen Schutzzone aus. Zwei Nester wurden erst bei der Ernte entdeckt. In einem Fall hatte der Bewirtschafter etwas Gerste stehen gelassen, was zum Ausfliegen der noch nicht flugfähigen zwei kleinsten Jungvögel von insgesamt vier dieses Mal reichte. In einem zweiten Fall wurde ich vom Mähdrescherfahrer benachrichtigt, der ebenfalls ein paar Quadratmeter Gerste bei der Ernte stehengelassen hatte, als er die Jungen im letzten Moment entdeckte. Hier stellte ich einen Elektrozaun auf, so dass alle vier Jungen 2 Wochen später flügge wurden. Aus zwei Nestern (in Weizen und Triticale) flogen die Jungen vor der regulären Ernte aus. 

Zahlreiche Ablesungen von markierten Wiesenweihen gelangen auch in dieser Brutsaison (Einzelheiten hier; Suche mit dem Stichwort "Farbring"). Der einzige noch vorhandene flügelmarkierte Brutvogel, ein Weibchen, brütete nun schon im vierten Jahr erfolgreich; in den letzten drei Jahren lagen die Brutplätze dieses Weibchens nur einige Hundert Meter voneinander entfernt. Die häufigen Ablesungen betrafen weiße Farbringe, die ich in den letzten Jahren nestjungen Wiesenweihen in der Hellwegregion angelegt hatte. Auch bei den beiden bei Beckum und Schachtrup, abseits des traditionellen Brutareals brütenden Paare waren weiße Farbringe abzulesen.
Unter den im August und Anfang September auf dem Haarstrang und der Paderborner Hochfläche rastenden diesjährigen Wiesenweihen waren einige unberingt, sie waren also nicht in der Hellwegregion aufgewachsen. Das gilt auch für einige unberingte vorjährige männliche Wiesenweihen, die ab Mitte Mai vereinzelt zu beobachten waren. Dies unterstreicht die Bedeutung dieser höheren Lagen auch für fremde bzw. noch nicht brütende Wiesenweihen, die hier übersommern oder auf dem Durchzug zum Teil wochenlang rasten.
Erneut siedelten sich zwei in der Hellwegregion aufgewachsene oder brütende Wiesenweihen in einem anderen Bundesland an. Gleich zwei Weibchen zog es 2016 zum Brüten nach Niedersachsen in die Kreise Diepholz und Nienburg. Ein Weibchen hatte 2014 erfolgreich bei Ostönnen gebrütet (F. Niemeyer schriftlich).

In den Monaten Mai und Juni sah ich nur eine Kornweihe (im Vorjahr keine) in der Hellwegregion. Von 2006 bis 2014 gelangen in diesen beiden Monaten jeweils zahlreiche Beobachtungen dieser vom Aussterben bedrohten Vogelart, die zuletzt 2010 in der Hellwegbörde sogar noch brütete. Je eine stationäre Steppenweihe wurde am 8.5. östlich von Geseke  und am 4.9. bei Eikeloh beobachtet.

Schlafplatz-Gemeinschaften von Weihen fand ich wie in den Vorjahren im August bis Anfang September auf dem Haarstrang und auf der Paderborner Hochfläche, meist in Feldfluren, die schon in den Vorjahren zum Schlafen genutzt wurden. An mehreren Stellen flogen meist nach Sonnenuntergang 10 oder mehr Wiesen- und Rohrweihen in Getreidefelder, Brachen oder Zuckerrübenfelder ein (z.B. Beobachtungsmeldung vom 12.8.2016).

Während meiner Weihenerfassungen ließen sich keine singenden Grau- und Rohrammern feststellen und nur einige wenige einzelne Turteltauben und Wiesenpieper. Rufende Wachteln waren wie im Vorjahr selten zu vernehmen. Die höchste Anzahl (6) gleichzeitig rufender Wachteln vernahm ich in einer Feldflur südwestlich von Marsberg-Meerhof im Hochsauerlandkreis. Insgesamt wurden hier an verschiedenen Terminen mindestens 16 Reviere festgestellt, die allesamt in dem Bereich der rund 6 km² großen Feldflur lagen, wo noch keine Bauarbeiten für den dort genehmigten, vom NABU NRW beklagten Windpark stattfanden.
Hubertus Illner

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