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11. Niedersächsischer Wiesenweihen-Workshop

Am 8. Oktober 2016 trafen sich auf Einladung von Katja Behm (niedersächsische Vogelschutzwarte) rund 50 an der Wiesenweihe Interessierte in Hannover. In Vorträgen und Diskussionsbeiträgen wurde deutlich, dass nicht nur in Niedersachsen sondern fast überall in Deutschland die Brutbestände in diesem Jahr stark zurückgingen. In Niedersachsen wurde im Jahr 2003 ein landesweites Schutzprogramm für die Wiesenweihe aufgelegt. Seitdem werden die Getreidebrutplätze durch Schutzzonen vor dem Mähtod bewahrt. In niedersächsischen Küstenraum zeichnet sich eine Ausdünnung der Brutbestandes ab (K. Behm), wie es auch schon in Nordfriesland der Fall ist. Auch im Landkreis Aurich zeigt sich eine deutliche Bestandsabnahme (M. Boekhoff): 2016 gab es nur noch zwei erfolglose Bruten, bei denen es Verdachtsmomente für menschliche Störungen wegen Windkraftplanungen gab. In Lüchow-Dannenberg, wo Stefan Beilke schon lange erfolgreich Nestschutz betreibt, sieht die Situation besser aus. Die derzeit größte niedersächsische Teilpopulation in der Diepholzer Moorniederung ist durch Windenergieanlagen (WEA) gefährdet (L. Boldt & F. Niemeyer).

Im dortigen Dichtezentrum, in dem es schon zwei Totfunde von Wiesenweihen unter ein und derselben WEA gab (2014 ein Weibchen, das noch nicht Flügge im nahen Nest zu versorgen hatte und 2015 ein flügger Jungvogel), sind weitere Anlagen geplant. So lagen 75% der 21 Brutplätze im Jahr 2016 weniger als 1 km von der nächsten bestehenden bzw. geplanten WEA entfernt. Es kam 2015 erstmals zu einer brutzeitlichen Abschaltungsverfügung einer WEA durch die Untere Naturschutzbehörde, weil ein Brutplatz weniger als 200 m von einer WEA entfernt war. Vier weitere WEA lagen weniger als 400 m zum Brutplatz. Die Brut war erfolglos, so dass die eine WEA nur 20 Tage stillstehen musste.

Almut Schlaich berichtete über neue Erkenntnisse mit Hilfe der GPS-Sendertechnik. Ein besenderter Altvogel überquerte das Mittelmeer auf dem Wegzug an der breitesten Stelle und flog über 35 Stunden lang mehr als 800 km über Wasser. Die Zugwege über mehrere Jahre verfolgter Wiesenweihen sind erstaunlich ähnlich. Die besenderten Vögel zeigen auch im subsaharischen Überwinterungsgebiet über mehrere Jahre eine große Ortstreue. Ein adultes Weibchen hielt sich wochenlang offenbar nicht brütend in der Groninger Geburtsregion auf, machte dann einen Ausflug zur Population in Mainfranken (die es womöglich in den Vorjahren bei einem Zwischenstopp auf dem Zug kennengelernt hatte) und kehrte nach einigen Tagen wieder dorthin zurück.

Die GPS-Sender liefern auch kontinuierlich objektive Höhendaten fliegender Wiesenweihen. Eine erste Auswertung dieser Daten aus dem Brutgebiet durch Tonio Schaub zeigt, dass oberhalb von 20 m die meisten Flüge im Höhenbereich von 100 bis 400 m stattfanden. In einem Repower-Szenario (eine alte WEA wird durch eine 150 m hohe WEA mit 57 m Rotorradius ersetzt) erhöhte der Anteil der potenziell gefährlichen Flüge auf Rotorhöhe sich um das 4,3-fache, die Rotorfläche aber nur um das 2,8-fache.  Dieses Ergebnis steht im Gegensatz zu den Befunden in der Repowerstudie von Bergen und Loske in der Hellwegbörde, die mit methodisch zweifelhaften Sichtbeobachtungen und Höhenschätzungen eine Abnahme des Kollisionsrisikos im Zuge eines Repowering annahmen (Näheres zur fachlichen Kritik hier). Mein Vortrag befasste sich mit Bestandsentwicklung und Schutz der Wiesenweihe in Deutschland und mit der Gefährdung durch Windkraftnutzung. Einiges davon wurde schon mal im Frühjahr in Düsseldorf vorgetragen (Download der Vortragsfolien hier).

Nachtrag 22.11.2016: Inwischen stehen die meisten Vortragsfolien zur Verfügung (Download) 

                                                                                                                                                                                         H. Illner

 

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