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Tagungsband über die Wiesenweihe erschienen

Titelbild: Die Vogelwelt.Im November 2015 trafen sich zahlreiche Wiesenweihenexperten aus ganz Europa in Würzburg, um sich über die Situation der Wiesenweihe und notwendige Schutzmaßnahmen auszutauschen. Gerade ist der umfangreiche und gehaltvolle Tagungsband in der Fachzeitschrift „Die Vogelwelt“ erschienen: in 13 Artikeln (deutsche und englische Zusammenfassungen) sind die Ergebnisse der Tagung aufgearbeitet . Dabei wurde klar, dass der in vielen Ländern praktizierte Nestschutz zum Erhalt der Populationen unbedingt weiter geführt werden muss. Darüber hinaus sind auch Maßnahmen zur Verbesserung des Lebensraumes notwendig. Als großflächig jagender Beutegreifer ist die Wiesenweihe auf ein ausreichendes Nahrungsangebot, bestehend aus Feldmäusen und Feldvögeln angewiesen. Für ihren dauerhaften Schutz ist also die Verbesserung der Lebensbedingungen für die gesamte Artengemeinschaft der Feldfluren erforderlich. Die ABU ist mit drei eigenen Beiträgen in dem Band vertreten:

Hubertus Illner ermittelte durch die Befragung von Artexperten bundesweit aktuelle Angaben zur den Brutpaarzahlen der Wiesenweihe und zu Maßnahmen zum Schutz der Nestern im Zeitraum 2003-2014. Die Zahl nachgewiesener Brutpaare reichte im Zeitraum 2004-2014 von 289 bis 450, und sie schwankte von Jahr zu Jahr zum Teil stark. Am stärksten stieg der Brutbestand von 2006 auf 2007 (40 %) und am stärksten fiel er von 2012 auf 2013 (-23 %), was vor allem durch einen großflächig einheitlichen Bestandsverlauf des Hauptbeutetiers, der Feldmaus, erklärt wird. In den beiden südlichsten Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg sowie in Sachsen-Anhalt stiegen die Brutbestande unter Berücksichtigung des Erfassungsgrades vom Zeitraum 2004-2007 zum Zeitraum 2011-2014 um über 10 % an, während sie in den nördlichen Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Schleswig- Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sowie im nördlich angrenzenden Dänemark um über 10 % abnahmen. Es wird diskutiert, ob ein ungünstigeres Klima oder die hohe Dichte der Windenergieanlagen in den nördlichen Ländern Ursache für die regionalen Bestandsabnahmen ist. Seit 2003 befanden sich in Deutschland im Mittel etwa 90 % der Nester in Ackerkulturen. Um etwa zwei Drittel der Nester wurden Schutzzonen eingerichtet, die bis zum Ausfliegen der Jungen nicht abgeerntet wurden. Seit den 1960er Jahren hat der Brutbestand der Wiesenweihe wahrscheinlich in den meisten Bundesländern mit Ausnahme von Bayern abgenommen. Eine Grundvoraussetzung für das Fortbestehen der deutschen Brutpopulation ist die Aufrechterhaltung des Nestschutzes im derzeitigen Umfang.

Christian Härting, Hubertus Illner und Johannes Kamp erfassten durch den Einsatz von Fotofallen an zehn Nestern der Wiesenweihe in den Jahren 2012 und 2013 die eingetragene Beute. Die Auswertung ergab, dass Säugetiere (meistens Feldmäuse) und Vögel mit 42 % bzw. 20 % den größten Biomasse-Anteil der ins Nest gebrachten Beute ausmachten. Sie stellten einen positiven Zusammenhang zwischen der täglich eingetragenen Beutemasse sowie dem Anteil ausgeflogener Jungvögel fest, welcher allerdings auf einer kleinen Stichprobe beruht. Während der Aufzuchtperiode dokumentierten die Fotofallen sechs Verluste durch Verhungern von einzelnen Jungvögeln, meist den Nesthäkchen. In diesen Fällen wurde deutlich weniger Beute eingetragen als bei Bruten, in welchen alle geschlüpften Jungtiere ausflogen.

Ralf Joest berichtete über die Entwicklung im Vogelschutzgebiet Hellwegbörde. Das Gebiet wurde 2004 als EU-Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Die Bestandsentwicklung der Wiesenweihe und weiterer Vogelarten ist aber weiter negativ. Wesentliche Ursache ist neben dem Flächenverbrauch die Intensivierung der Landbewirtschaftung. Neben dem Schutz der Nester der Wiesenweihe werden seit 2001 im Rahmen von Vertragsnaturschutz-Programmen verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung des Lebensraumes für Feldvögel durchgeführt. Diese sind lokal erfolgreich, in dem sie die Siedlungsdichte und Artenzahl der Feldvögel auf diesen Flächen steigern. Sie erreichen aber noch nicht einen ausreichenden Flächenanteil, um auf Ebene der Populationen wirksam zu sein. Im Jahr 2014 wurde durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz in einem einjährigen Diskussionsprozess ein Vogelschutz-Maßnahmenplan erarbeitet, der nun umgesetzt werden muss. Seit 2015 müssen landwirtschaftliche Betriebe fünf Prozent ihre Fläche als so genannte ökologische Vorrangflächen bewirtschaften, um die volle Höhe der direkten Agrarförderung zu erhalten. Diese bieten Chancen für den Feldvogelschutz, allerdings bleibt ihr Nutzen für den Vogelschutz vorrausichtlich hinter den Erwartungen zurück (Ralf Joest).

(Die Beiträge der ABU-Mitarbeiter können bei den Autoren per email als pdf angefordert werden)

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