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Bericht über die Jahreshauptversammlung 2018

Der Vorsitzende der ABU, Joachim Drüke, eröffnete am 23.03.2018 um 19.35 Uhr die diesjährige Jahreshauptversammlung. Der Saal in der Lohner Mühle, Sitz des Vereins mit der Biologischen Station Soest, war mit 70 Mitgliedern und Gästen wieder voll besetzt.

Bericht des Vorsitzenden

Joachim Drüke berichtete über das abgelaufene Geschäftsjahr. Der Vorstand tagte 9-mal. Christian Härting ist aus dem erweiterten Vorstand ausgeschieden und hat eine Teilzeitstelle im hauptamtlichen Team der ABU angetreten. Die Herbstversammlung war sehr gut besucht. Das öffentliche Exkursions- und Vortragsprogramm traf auf breites Interesse.


Der Vorsitzende gab zunächst einen Überblick über einige der Aktivitäten des Vereins, die von Freiwilligen umgesetzt wurden:

In den betreuten Naturschutzgebieten wurden 220 Kopfweiden geschneitelt, Zäune gezogen und repariert, Schutzzäune für Amphibien aufgestellt und gewartet, Pflegemaßnahmen durchgeführt sowie unsere Schafherde im vereinseigenen Lohner Steinbruch betreut. Ein großes Dankeschön sprach er allen Freiwilligen aus, die diese wichtige Arbeiten getan haben. Sie wurden unterstützt von zwei Mitarbeiterinnen des Bundesfreiwilligendienstes. Er dankte der Bezirksregierung Arnsberg und dem Kreis Soest, die für den Kopfweidenschnitt eine Aufwandsentschädigung zahlten.

Kartiert wurden auch im diesem Jahr 2017 wieder die Brutbestände der Saatkrähe und des Eisvogels im Kreis Soest.

Bestimmte renaturierte Abschnitte der Lippeaue haben inzwischen eine so große Bedeutung für rastende und überwinternde Wasservögel, dass wir sie als Wasservogelzählgebiete angemeldet haben. Von September bis April werden diese Gebiete bundesweit einmal im Monat kontrolliert und alle wassergebundenen Vogelarten gezählt.

Erneut haben Vereinsmitglieder unentgeltlich viele verletzte Vögel gepflegt. In den letzten Wochen waren auffällig viele abgemagerte Mäusebussarde zu versorgen; viele abgemagerte Mäusebussarde wurden zudem tot aufgefunden.

In den Bachtälern des Arnsberger Waldes hat die ABU von 2009 bis 2014 ein LIFE-Projekt durchgeführt. Begradigte Bachabschnitte wurden renaturiert und öde Fischtenforste aus den Talauen entnommen. Freiwillige Vereinsmitglieder kümmern sich seitdem um die Entwicklung naturnaher Auwälder insbesondere im Tal der Großen Schmalenau.

Regelmäßig werden die Beobachtungspunkte und Informationstafeln, die im Zuge des Projektes „Naturerlebnis Auenland“ in der Lippe- und Ahseaue errichtet wurden, kontrolliert und sauber gehalten.

Die Restvorkommen der Gelbbauchunke und der Knoblauchkröte im Kreisgebiet profitieren von Schutzmaßnahmen, die engagierte Freiwillige in der ABU auch im abgelaufenen Jahr wieder durchgeführt haben.

In der Kinder- und Jugendgruppe der ABU sind derzeit noch Plätze frei; Interessierte können sich in der Geschäftsstelle der ABU melden.

Die vereinseigenen Taurusrinder und Konik-Pferde weiden auf vier Flächen in der Lippeaue und auf dem ehemaligen Standortübungsplatz Büecke („Kleiberg“) südlich von Soest. Die Betreuung der Tiere, die Unterhaltung der Zäune und die Heuernte für das Winterfutter wurden wieder durch Freiwillige unterstützt.

Alle vier Wochen trafen sich Freiwillige zur Vorbereitung von Arbeitseinsätzen und zum Erfahrungsaustausch beim sog. Ehrenamtsstammtisch.


Die ABU ist Trägerverein der Biologischen Station Soest. Die vom Land NRW, dem Kreis Soest, anderen öffentlichen Stellen, von Stiftungen und durch Spenden finanzierten Naturschutzprojekte der Biostation werden von hauptamtlichen Mitarbeitern durchgeführt, unterstützt durch Freiwillige aus dem Verein. Der Vorsitzende gab einen Überblick über einige der in 2017 umgesetzten Projekte:

Im Rahmen des Arbeits- und Maßnahmenplans der Biostation, gefördert aus der Förderrichtlinie für Biologische Stationen (FÖBS), wurden 2017 29 Schutzgebiete im Kreis Soest betreut. Zusätzlich werden erstmals seit 2017 im Auftrag der Stadt Hamm die Lippeaue östlich der Fährstraße sowie die Naturschutzgebiete entlang der Ahse betreut. Für das FFH-Gebiet „Berkenkamp und Quabbeaue“, ein 211 ha großer Wald-Grünland-Komplex nördlich der Lippe in der Gemeinde Lippetal, standen Wald-Maßnahmenkonzepte, eine Biotopbaumkartierung und eine Kartierung der Rote-Liste-Arten auf dem Programm.

Kiebitz-Schutzprojekt: Wir haben gemeinsam mit Landwirten und der unteren Naturschutzbehörde wieder das Schutzprogramm für den Kiebitz durchgeführt.  60 Gelege konnten wir erfassen und so markieren, dass die Landwirte sie bei der Bewirtschaftung schonen konnten. Alle Landwirte haben mitgemacht!  Zusätzlich konnten zwei sog. Feldvogelinseln mit einer Größe von ungefähr einem Hektar vereinbart werden. Dort unterbleibt für ein Jahr die Bewirtschaftung, so dass Kiebitz, Rebhuhn, Feldlerche und Co. ungestört brüten und vor allem auch viel Nahrung finden können. Gefördert wird dieses gut funktionierende Programm vom Land NRW.

Vertragsnaturschutz Hellwegbördevereinbarung: Die Umsetzung der Vertragsnaturschutzmaßnahmen ist gut gelaufen. Es wurden 36 Verträge mit 24 Landwirten über Maßnahmen mit einer Gesamtfläche von 58 Hektar abgeschlossen. Die zur Verfügung stehenden Mittel in Höhe von 70.000 Euro wurden voll ausgeschöpft. Die Vertragsnaturschutzmaßnahmen im Rahmen der Hellwegbördevereinbarung sind eine sehr gute Ergänzung zu den öffentlichen Kulturlandschaftsprogrammen, weil sie viel flexibler und auch mit kurzer Laufzeit angeboten werden können.

Weihenschutz: Der Brutbestand in den Hellwegbörden stieg wieder leicht auf 20 Brutpaare. 44 Jungvögel wurden flügge. Ein weiteres Paar brütete auf der Paderborner Hochfläche bei Etteln. Im Kreis Steinfurt und im Kreis Minden-Lübbecke gab es je ein weiteres Brutpaar.
Der Brutbestand der Rohrweihe lag wie in den vier Vorjahren innerhalb des Vogelschutzgebietes bei nur 30 Brutpaaren. Grund für die niedrigen Bestände in den letzten Jahren dürfte Nahrungsmangel in den Feldfluren sein.

Der Brutbestand des Wachtelkönigs im Vogelschutzgebiet Hellwegbörde lag auf einem normalen Nieveau.

Weideleitfaden II „Naturnahe Beweidung und NATURA2000“: Eine zweite, aktualisierte und erweiterte Auflage wird in diesem Jahr unter Federführung der ABU erstellt. Finanzierer sind das Land Thüringen und das Bundesamt für Naturschutz.

Das Projekt „Fische der Lippe von der Quelle bis zur Mündung“, das wir gemeinsam mit dem Landesfischereiverband durchführen, läuft sehr gut. Im ersten Befischungsdurchgang wurden 72 Probestellen in der Lippe und ebenso viele in Auengewässern beprobt. Ein Lachs bei Dorsten und vor allem viele neue Erkenntnisse über die Fischvorkommen und die Lippe selber sind die Zwischenergebnisse. Eine zweite Befischungsrunde wird in diesem Jahr stattfinden.

Das Monitoring der Renaturierungsprojekte an der Lippe (Fische und Unterwasservegetation) wurde fortgesetzt.

Das Kiesprojekt Möhne soll die Wirkung der Maßnahmen der beiden abgeschlossenen LIFE-Projekte „Bachtäler im Arnsberger Wald“ (Träger ABU) und „Möhneaue“ (Träger Kreis Soest) dokumentieren und Hinweise für künftige Renaturierungsprojekte an Mittelgebirgsbächen liefern. Die Befischungen brachten neue Erkenntnisse: Es gibt doch Elritzen in der Möhne, und zwar wieder sehr viele!

Die Arbeiten an einem Entwurf der Maßnahmenpläne für das Europäische Schutzgebiet „Lippeaue zwischen Hamm und Lippstadt mit Ahsewiesen“ wurden fortgesetzt, sie werden 2018 abgeschlossen.

Die ABU ist an dem LIFE-Projekt „Sandlandschaften“ (Federführung Bezirskregierung Münster) beteiligt. Bei uns geht es um Maßnahmen zum Schutz von Lebensräumen der Knoblauchkröte und um die Vermehrung dieser bedrohten Art mit dem Ziel, neue Vorkommen im Umfeld der Lippeaue zu etablieren.


Vereinsmitglieder engagieren sich bei Planungen und Eingriffen in Natur und Landschaft. Auf zwei Beispielen ging der Vorsitzende ein:

Der Flächenverbrauch steigt rasant an, für Siedlungen, für Industrie und Gewerbe, für Straßen. Außer uns Naturschützern scheint das kaum jemanden zu kümmern. Beispiele: 45 Hektar Gewerbegebiet nahe der BAB 2 im Landschaftsschutzgebiet, ein neues Wohngebiet im Soester Norden, eine Erweiterung des Gewerbegebietes in Bad Sassendorf, usw.

Beschäftigt hat uns auch die Planung einer Windkraftanlage im besonders schützenswerten „Kernfreiraum“ des Vogelschutzgebietes Hellwegbörde in Ense-Ruhne. Mit der Hellwegbördevereinbarung hatten sich die Kommumen verpflichtet, diese besonders wertvollen, in der Vereinbarung abgegrenzten Gebiete nicht zu überplanen. Nun tut die Gemeinde Ense genau dies und bricht damit die Hellwegbördevereinbarung. Sie hielt es noch nicht einmal für nötig, den Hellwegbördebeirat zu kontaktieren. Die Vorwürfe Richtung ABU, wir müssten kompromissbereit sein, sind unsinnig: Die Hellwegbördevereinbarung ist der vereinbarte Kompromiss, an den sich alle halten sollten!


Auch in 2017 gab es das ein oder andere naturkundlich bemerkenswerte Ereignis. Drei Beispiele:

In der Disselmersch tauchte im Herbst eine Gruppe von 24 Zwerggänsen auf und hielt sich bis heute - mit einer kleinen winterlichen Unterbrechung - hier, in den Ahsewiesen und zeitweise bei Dinker auf. Es handelt sich um Europas seltenste Gänseart. Die Gruppe, allesamt beringt, stammt aus einem skandinavischen Schutzprojekt, das der dortige Jagdverband durchführt. Das Auftreten der Gänse bei uns sorgte in der Beobachtungshütte in der Disselmersch zeitweise für Hochbetrieb von Ornithologen von weit her.

Die renaturierten Abschnitte der Lippeaue erweisen sich immer mehr als Hotspots für überwinternde Enten. So wurden in der Disselmersch für die Krickente neue Rekordbestände dokumentiert, im Maximum mehr als 900 Exemplare.

Ein sehr überraschendes Ereignis ist von den Klärteichen Hattrop zu berichten: Im Frühsommer waren plötzlich vier diesjährige Nachtreiher für längere Zeit zu beobachten. Wurden sie dort erbrütet? Oder kamen sie als Gruppe aus einem niederländischen Brutgebiet?

 

Ausblick auf einige zusätzliche Aktivitäten in 2018:

Im Rahmen der LEADER-Region „Möhne-Lippe“ bilden wir Naturführer aus. Das Projekt ist mit 25 Teilnehmern erfolgreich gestartet.

Wir sind am LIFE-Projekt „Gelbbauchunke“ mit Maßnahmen in Büecke, in der Pöppelsche und im Muckenbruch beteiligt. Die Federführung hat der NABU-Niedersachsen. Das Projekt startet in diesem Jahr und läuft über 8 Jahre. Finanziert werden unsere Maßnahmen zu 60% von der EU, zu knapp 40% vom Land NRW, hinzu kommen geringe Eigenanteile.

Wir sind Projektpartner bei dem FLORA-Projekt, federführend ist die Biostation Hochsauerlandkreis, wir sind Projektpartner. Das Projekt hat folgende Ziele: Überprüfung der Vorkommen besonders seltener Pflanzenarten, aktualisieren der Kenntnisse über Bestände und Bedrohungssituation, unterstützen und verbessern der Vorkommen mit Maßnahmen. Die Laufzeit beträgt  5 Jahre. Finanziert wird das Projekt von der DBU, dem Land NRW, der NRW-Stiftung und aus Eigenanteilen.

In diesem Jahr wird es wieder eine Erfassung der Bibervorkommen im Rahmen einer landesweiten Bestandsaufnahme geben, finanziert über den Arbeits- und Maßnahmenplan der Biostation.

Die Hälfte des Weltbestandes des Rotmilan brütet in Deutschland! In diesem Jahr findet eine landesweite Erfassung des Brutbestandes in NRW statt, gefördert vom Land NRW. Die ABU kartiert den Kreis Soest.

Wir koordinieren eine von Freiwilligen getragene kreisweite Erfassung der letzten Obstwiesen.

Das neue Exkursionsprogramm wird in Kürze erstellt.

Ab August werden wir wieder eine Stelle als im Rahmen des Freiwilligen ökologischen Jahres bzw. im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes, ab Oktober eine weitere. Interessenten können sich bei uns in der Geschäftsstelle melden.

 

Öffentlicher Teil der Jahreshauptversammlung:

Im öffentlichen Teil der Jahreshauptversammlung gab zunächst Dr. Henning Vierhaus einen Überblick über die Bestandsverläufe einiger Fledermausarten in NRW. Naturkundler haben durch langjährige freiwillige Erfassungen sehr gutes Datenmaterial zusammengetragen. Teilweise ergaben sich erfreuliche Bestandsverbesserungen, einige Vorkommen gehen jedoch auch stark zurück.

Den Hauptvortrag des Abends hielt Bernd Margenburg: Heimische Orchideen, ihre letzten Vorkommen, deren Bedrohungen und Maßnahmen zum Erhalt waren das Thema. Die schönen, eindrucksvollen Bilder heimischer Orchideen machten richtig Lust auf Frühjahrsspaziergänge. Sie zeigten aber auch auf, welche große Verantwortung wir haben, diese wertvollen Restbestände zu erhalten und wo immer möglich wieder zu vergrößern. Die bedeutendsten Gefährdungen bei uns sin einerseits die Aufgabe traditioneller Nutzungen von Wiesen und Weiden und andererseits die Intensivierung von Nutzungen, auch im Wald.


Joachim Drüke

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