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Ehrenamtliche Kartierung im Kreis Soest: Weiterer Rückgang des Kiebitz

Kiebitz im Grünland (Foto: B. Beckers)In diesem Jahr haben wir unsere seit 1972 andauernde Tradition weitergeführt und wieder eine kreisweite ehrenamtliche Kartierung des Kiebitzbestandes durchgeführt. Parallel lief auch der Gelegeschutz, bei dem die Nester während der Brutzeit geschützt wurden. Hiermit möchten wir uns bei allen Beteiligten für die Mitarbeit bedanken und über die aktuellen Daten informieren.
Die kreisweite Kartierung des Kiebitzes ergab 2019 einen Brutbestand von nur noch maximal 308 Revierpaaren, 2016 waren es noch 455 Paare. Der Rückgang um über 30% ist besorgniserregend. Die erste quantitative Volkszählung im Jahr 1997 erbrachte noch über 1100 Paare! Seitdem ist ein kontinuierlicher Rückgang des Brutbestandes festzustellen, heute sind es nur noch 28% des Bestandes von 1997.
Besorgniserregend ist auch die geringe Anzahl an Kiebitzkolonien mit mehreren Paaren nah beieinander: Diese können sich besser gegen Feinde verteidigen und haben meist einen höheren Bruterfolg. In der Hälfte der Vorkommen handelt es sich aber nur noch um Einzelbruten. Kolonien mit 20 Brutpaaren gehören schon längst der Vergangenheit an. In diesem Jahr wurde nur ein Acker mit 10 Brutpaaren registriert.

Rund 20% der Brutpaare brüten auf meist in Naturschutzgebieten gelegenen Feuchtwiesen, die für Wiesenbrüter wie Kiebitz und Brachvogel entwickelt und gemanagt werden. 8% brütet auf Brachen, die von engagierten Landwirten im Rahmen von Agrarumweltmaßnahmen angelegt wurden, 2016 brütete 1% der Kiebitze auf Brachen - erfreulich ist der Anstieg an Brachen für den Kiebitz in den letzten Jahren, was nicht zuletzt auch an unseren Kartierungen und Schutzbemühungen liegt!
10% der Bruten finden in Getreidefeldern statt. Doch mit 62% brüten die meisten Kiebitze bei uns auf noch nicht bestellten Äckern. Bei der Feldbestellung besteht hier die Gefahr, dass Nester unabsichtlich zerstört werden. Der Schutz der Gelege ist daher enorm wichtig! Um Abhilfe zu schaffen, arbeiten im Kreis Soest seit einigen Jahren die Landwirte, der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband, die Landwirtschaftskammer, die Untere Naturschutzbehörde und wir als ABU zusammen, um die Gelege der Kiebitze zu schützen. Die Nester werden beim Gelegeschutz von uns mit Stäben markiert, damit die Landwirte sie bei der Bodenbearbeitung aussparen und die Kiebitze weiter brüten können. In diesem Jahr konnten wir so 93 Nester abstecken und schützen. Das ist rund die Hälfte der auf Äckern und Stoppelfeldern festgestellten Kiebitzpaare. Aus rund 2/3 der Gelege schlüpften Küken - ein super Wert für einen Bodenbrüter!
Für die Aufzucht der Jungen fehlt es in unserer Agrarlandschaft oftmals an Nahrung: Insekten und andere Bodenlebewesen sind rar. Durch das Anlegen von sogenannten Feldvogelinseln werden Nahrungs- und Schutzflächen für die Jungvögel geschaffen. Feldvogelinseln sind 0,5 bis 1 Hektar große Aussparungen auf dem Acker, die als einjährige Brachen liegen bleiben. 2019 konnten vier solcher Inseln angelegt werden. Diese Brachen sind viel nahrungsreicher als das Umland und die Kiebitze können oft noch auf diesen Flächen beobachtet werden bis die Küken flügge sind. Der Gelegeschutz ist ein Beispiel der guten Zusammenarbeit und ein wichtiger erster Beitrag zum Erhalt dieser Vogelart. Doch es wird auch deutlich, dass noch viel mehr geschehen muss, um einen weiteren Rückgang aufzuhalten. Mehr zum Kiebitz finden sich hier.
Die Mithilfe von ABU-Ehrenamtlern bei Kartierungen wie dieser ist von großer Bedeutung! Zum einen können wir so die leider traurige Entwicklung des Kiebitz dokumentieren, aber damit auch Druck auf Politik und Verwaltung ausüben, zum anderen hilft die aktuelle Verbreitung auch um effektive Schutzmaßnahmen voran zu bringen. Vielen Dank an alle Mitwirkende!

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