Nachrichten 2009

Nachrichten 2009

Weihensaison 2009

Lückiger Winterweizen bei Klieve, 14. Juni 2009, Foto: H. IllnerWiesenweihe mit Farbring bei Brüllingsen, Juni 2009, Foto: M. Bunzel-Drüke; das Männchen war nur einige Kilometer entfernt im Jahr 2007 als Jungvogel markiert wordenIn der Hellwegbörde und auf der Paderborner Hochfläche brüteten im Jahr 2009 insgesamt 22 Paare* der Wiesenweihe und es flogen 34 Jungvögel* aus. Dies ist eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr. Der diesjähige Brutbestand lag aber immer noch deutlich unter dem Mittel der Jahre 1993 bis 2004. Auch rund 15 Nester der Rohrweihe wurden in landwirtschaftlichen Kulturen ermittelt, ebenfalls mehr als im Vorjahr, aber deutlich weniger als im Jahr 2007.
Möglich war dies aufgrund eines leicht angestiegenen Feldmausbestandes sowie einer besseren Erreichbarkeit der Wühlmäuse in zum Teil lückigen Getreideschlägen auf flachgründigen Kalkböden des Haarstranges und der Paderborner Hochfläche. Diese Lückigkeit war eine Folge der lang anhaltenden Trockenperiode im Frühjahr. So fiel der leider fortschreitende Umbruch von Ackerbrachen, die für Wiesenweihen wichtige Nahrungsflächen in mäusearmen Jahren darstellen, in diesem Jahr nicht so sehr ins Gewicht. 
 
Wiesenweihe mit Trichomonaden-Befall im Rachen, 25. Juli 2009, Foto: E. van HautFür 13 Getreidebruten der Wiesenweihe und 12 der Rohrweihe waren Schutzmaßnahmen in der gewohnten Kooperation mit den Landwirten nötig, um die Jungen vor dem Mähtod zu retten. Das seit langem bewährte Aussparen einer 50 mal 50 m großen Fläche um den Horst bei der Ernte war meist von Erfolg gekrönt. Nur in wenigen Fällen wurden die Jungen noch nach der Ernte von natürlichen Beutegreifern oder Hunden getötet. Einige Rohrweihenhorste befanden sich im Feldgras bzw. Grünroggen für Biogasanlagen. Diese Feldfrüchte wurden schon im Mai gemäht und umgebrochen, um danach noch Mais zu legen (Zweifruchtanbau). Hier kamen Elektrozäune zum Einsatz, die im Abstand von einigen Metern um den Horst aufgestellt wurden, um am Boden lebende Beutegreifer abzuwehren.
Eine Besonderheit: alle drei Jungen einer Wiesenweihenbrut waren im Rachen von Geißeltierchen (Trichomonaden) befallen. Zwei starben daran, eins überlebte nach Verabreichung eines Medikamentes.

 Seit 2007 beteiligen wir uns an einem europäischen Projekt zur Flügelmarkierung von Wiesenweihen, welches von Frankreich aus organisiert wird; Näheres siehe: www.busards.com/index.php.

Nach schwerem Kollisionstrauma eingeschläferte Wiesenweihe, 30. Juli 2009, Foto: H. IllnerAblesungen von Flügelmarken bzw. Farbringen an Wiesenweihen erbrachten nun in dieser Brutsaison erste sehr interessante Ergebnisse. Zwei in Mittelwestfalen im Jahr 2007 markierte Vögel (ein Weibchen und ein Männchen) wurden nur einige Kilometer vom Geburtsort entfernt brütend festgestellt, andere wurden in Brandenburg (ein Männchen) bzw. Frankreich (zwei Weibchen, ein Männchen) beobachtet, maximal 943 km vom Geburtsort entfernt.

An einem brütenden Männchen konnte ich auch einen fremden, gelben Farbring ablesen; die Farbberingungsprojekte sind aufgelistet unter: www.cr-birding.be.  Diese Wiesenweihe war im Jahr 2001 rund 200 km nordwestlich in der Provinz Groningen als Jungvogel markiert worden. Leider verletzte sich dieser Vogel am Ende der Brutsaison bei einer Kollision mit einem Kfz oder einer Windkraftanlage so stark (Flügelbruch), dass er von einem Tierarzt eingeschläfert werden mußte. Zum Glück waren die Jungen zu diesem Zeitpunkt schon fast flugfähig und wurden vom Weibchen allein ausreichend mit Nahrung weiter versorgt.

 
Wiesenweihe mit Flügelmarke nordwestlich Wünnenberg, 21. Juli 2009, Foto: H. IllnerIm Spätsommer konnte ich vor allem auf dem Haarstrang und auf der Paderborner Hochfläche weitere Flügelmarken bzw. Farbringe an Wiesenweihen ablesen. Unter diesen befanden sich ein vorjähriges Weibchen, welches 2008 in Frankreich als Nestling markiert wurde, und je ein adultes  Männchen und Weibchen. Letztere beide waren wahrscheinlich Nestlinge, die ich im Jahr 2007  in der Hellwegbörde markiert hatte (zur eindeutigen Identifizierung fehlte bei beiden die Flügelmarke des anderen Flügels). Diese drei Vögel gehörten sicher nicht zur diesjährigen Brutpopulation in Mittelwestfalen, wie die vollständige Kontrolle aller Brutvögel auf etwaige Flügelmarken hin zeigte.
Auch an einer Reihe von flüggen Jungvögeln las ich Flügelmarken ab bzw. in einem Fall erkannte ich einen grünen Farbring. Jeweils ein Jungvogel  kam aus den Niederlanden bzw. Niedersachsen; bei dem Dritten steht die Mitteilung des Markierungssortes noch aus. Einige weitere markierte Jungvögel stammten aus Nestern in der Hellwegbörde.
 
Die markierten Vögel ließen sich zum Teil an mehreren Tagen in denselben Feldfluren auf dem Haaarstrang nachweisen, oftmals zusammen mit weiteren Wiesen- und Rohrweihen sowie vereinzelten Kornweihen. Diese lockeren Ansammlungen von ruhenden Weihen bildeten sich oft schon am späten Nachmittag. Abends flogen diese Weihen dann meist innerhalb einer kurzen Zeitspanne in ein bestimmtes Feld. Diese Gemeinschafts-Schlafplätze befanden sich vorzugsweise in Ackerbrachen, Zuckerrübenfeldern und noch nicht abgeernteten Getreideschlägen. Sie waren zum Teil über mehrere Wochen bis Anfang September belegt, oft mit mehr als 10 Weihen. Die meisten 2009 gefundenen Gemeinschafts-Schlafplätze  bestanden auch schon in den Vorjahren, mit den größten Beobachtungszahlen im ausgesprochenen Mäusejahr 2007. Auch hieran zeigt sich die besondere Bedeutung des Haarstranges für das EU-Vogelschutzgebiet Hellwegbörde. Der Haarstrang und offene Feldfluren der Paderborner Hochfläche (von denen nur ein kleiner Teil zum Vogelschutzgebiet gehört) sind nicht nur in der Brutzeit für jagende Wiesenweihen von großer Bedeutung sondern auch für rastende Vögel, die hier vor dem Abzug über die waldreichen Mittelgebirge offenbar einen Zwischenstop einlegen und Energie auftanken.
 
Im Mai und Juni waren in der Hellwegbörde, vor allem auf dem Haarstrang, relativ häufig vereinzelte bis zu drei Kornweihen zusammen zu beobachten, darunter auch ausgefärbte Männchen. Insgesamt waren es sogar mehr Brutzeit-Beobachtungen als im ausgesprochenen Mäusejahr 2007. Allerdings wurde nirgendwo Balz oder Nestbau wie im Jahr 2007 beobachtet. In der potenziellen Brutzeit beobachtete Ralf Joest zweimal eine einzelne Sumpfohreule, Nachsuchen waren erfolglos. Die Grauammer verharrt weiter auf einem sehr niedrigen Bestandsniveau, es gelangen nur zwei Reviernachweise im Lohner Klei durch Ralf Joest.
* Korrektur vom 17. März 2010: 23 Brutpaare und mindestens 35 Jungvögel
Hubertus Illner

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