Nachrichten 2011

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Wieder ein Rotmilan durch eine Windenergieanlage getötet

Rotmilanreste Milvus milvus unter der westlichsten WEA im Windpark Sp. Warte, 30. Aug. 2011 (D. Glimm)Einen traurigen Fund machten Daniel Bryan-Bistrick und Doris Glimm am 30. August 2011 nachmittags auf dem Haarkamm an der Spitzen Warte bei Rüthen: Unter einer Windenergieanlage (WEA) lag ein frisch toter Rotmilan, etwa 15 m vom WEA-Masten entfernt. Die beiden Ornithologen waren eigentlich auf der Suche nach lebenden Rot- und Schwarzmilanen, als ihnen auf dem Acker der hochstehende Schwanz des Rotmilans von der angrenzenden Straße aus auffiel. Sie fanden etwa 15 m von dem Schwanzteil entfernt in ähnlicher Entfernung zum WEA-Masten auch das zugehörige Vorderteil des Rotmilans. Der Rotmilan war in etwa senkrecht zur Körperlängsachse durch einen der WEA-Rotoren durchtrennt worden. Da der Rotorradius dieser im Nov. 1996 in Betrieb genommenen WEA (Enercon E 40) rund 20 m beträgt, ist anzunehmen, dass der Vogel beim Durchflug im rechten Winkel zur Rotorebene von der Spitzenzone eines der drei Rotoren getroffen wurde, die Geschwindigkeiten von 200 km/h und mehr erreichen können.
Die Überreste des Rotmilans wurden geborgen und von Dr. Margret Bunzel-Drüke genauer untersucht, die ein vergleichbares Verletzungsbild bei Hunderten von im Straßenverkehr verunglückten Greifvögeln und Eulen noch nicht gesehen hat. Das Verletzungsbild entsprach einer stumpfen Durchtrennung, die mit hoher Energie vonstatten gegangen sein muss. So war nicht nur das Rückgrat durchtrennt, sondern auch viele Rippen waren zertrümmert. Selbst an einer Handschwinge waren noch unauffällige, aber charakteristische Spuren der Kollision zu erkennen: die Außenhaut des Federkiels war auf 5 cm Länge wie abrasiert. Die Begutachtung ergab auch, dass es sich um ein adultes Männchen handelt, das seine Handschwingenmauser fast abgeschlossen hatte.
Dies ist nun schon der sechste Zufallsfund eines Rotmilans unter einer WEA im europäischen Vogelschutzgebiet Hellwegbörde seit 2005 (Näheres siehe hier). Die meisten toten Rotmilane (vier) wurden bisher im Windpark Ostbüren gefunden, wo ein dichtes Wirtschaftswegenetz und eine hohe Frequentierung durch Spaziergänger Zufallsfunde von Windkraftopfern erleichtern. Eine vergleichbare Situation besteht im ersten Windpark des Kreises Soest an der Spitzen Warte nicht. Auch wurde hier bisher unseres Wissens nicht systematisch nach Schlagopfern gesucht. So kann mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass dies nicht der erste Rotmilan war, der in diesem Windpark mit einer WEA tödlich kollidiert ist, denn Rotmilane brüten im Umfeld und bilden in den umliegenden Gehölzen nachbrutzeitliche Schlafplatz-Gemeinschaften mit oft über 50 Individuen.
Diese Schlafplatztradition auf dem östlichen Haarkamm ist den Ornithologen schon seit 1991 bekannt und die Genehmigungsbehörden wurden hierüber und über die generell hohe Kollisionsgefährdung des Rotmilans an WEA informiert. Auf Unverständnis stößt deshalb die Genehmigung für eine privilegierte WEA in diesem Raum, die 2010 innerhalb des Vogelschutzgebietes Hellwegbörde nur etwa 100-150 m entfernt von einem lange bekannten Rotmilan-Schlafplatz in einer Pappelreihe in Betrieb genommen wurde. Dieser Schlafplatz wurde auch 2011 von Rotmilanen angeflogen, am 23. Aug. 2011 waren es abends mindestens 6  und am 9. Sept. 2011 13 Individuen. (H. Illner)
Vorderteil des mit einer WEA kollidierten Rotmilans Milvus milvus  im Windpark Sp. Warte, 30. Aug. 2011 (D. Glimm).Hinterteil des mit einer WEA kollidierten Rotmilans Milvus milvus im Windpark Sp. Warte, 30. Aug. 2011 (D. Glimm).IMG_4889-Rm-tot-850pIMG_4898-Rm-Feder-850pTraditioneller Rotmilan-Schlafplatz in einer Pappelreihe (rechts im Bild) westlich Menzel, ca. 100-150 m entfernt wurde 2010 eine WEA errichtet, 23.08.2011 (H. Illner); die Pappelreihe wurde im Herbst 2012 gefällt

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