Nachrichten vor 2008

Nachrichten vor 2008

ABU-Herbstversammlung

60 Interessierte konnte die ABU zu ihrer traditionellen Herbstversammlung am 26. Oktober in Lohne begrüßen. Ein Rückblick auf die letzten Monate, ein Überblick über laufende Aktivitäten sowie der Vortrag von Professor Dr. Wilfried Stichmann „Die Vogelwelt des größten westfälischen Gewässers im Wandel der Zeiten - 50 Jahre Wasservogelforschung am Möhnesee“ brachten einen naturkundlich interessanten Abend.

 

Rund 60 Interessierte konnte die ABU zu ihrer traditionellen Herbstversammlung am 26. Oktober in Lohne begrüßen. Ein Rückblick auf die letzten Monate, ein Überblick über laufende Aktivitäten der ABU sowie der Vortrag von Professor Dr. Wilfried Stichmann „Die Vogelwelt des größten westfälischen Gewässers im Wandel der Zeiten - 50 Jahre Wasservogelforschung am Möhnesee“ brachten einen naturkundlich interessanten Abend. Eine Apfelbar mit 24 verschiedenen heimischen Apfelsorten, die an Ort und Stelle geschält und verspeist werden konnten, war in der Pause und nach dem offiziellen Programm dicht umlagert. Viel Wissenswertes konnten die Gäste über die erstaunliche Vielfalt an Apfelsorten erfahren, um deren Erhalt man sich bemüht.
ABU-Vorsitzender Joachim Drüke gab eingangs einen Rückblick auf das vergangene Halbjahr. „Alle reden vom Wetter, wir Naturschützer auch“. Denn das in mehrfacher Hinsicht bemerkenswerte Wettergeschehen dieses Jahres hatte auch Auswirkungen auf die heimische Natur. Der heiße April bedeutete Trockenstress für die Feuchtgebiete. Knäkenten, Löffelenten und Krickenten, ansonsten regelmäßige Brutvögel in den Feuchtwiesen und in den renaturierten Abschnitten der Lippeaue, schritten nur vereinzelt zur Brut. Es folgte ein nasser Sommer, der von August bis Oktober mehrere Hochwasser brachte. In den renaturierten Abschnitten der Lippeaue - der Disselmersch bei Lippborg, der Klostermersch bei Benninghausen und der Hellinghauser Mersch nahe Lippstadt - herrschten sehr gute Bedingungen für Watvögel, Reiher und Störche. So rasteten in der Disselmersch bis zu 40 Bruchwasserläufer, Schwärme von über 100 Krickenten bevölkerten die Aue, drei Löffler, eine im Binnenland nur selten zu beobachtende Art der Nordseeküste, hielten sich für einige Tage auf. Immer wieder zogen große Gruppen von rastenden Weißstörchen das Interesse nicht nur der Vogelkundler auf sich. Vor allem in der Hellinghauser Mersch bei Lippstadt und in den Ahsewiesen rasteten wiederholt für mehrere Tage auch Gruppen der seltenen Schwarzstörche.
Für die Lippefischer der ABU, die seit vielen Jahren im Auftrag des Landes Fischbestände in der Lippe erfassen und so die Wirkungen der Renaturierungen dokumentieren, waren die Bedingungen allerdings ungünstig: Anhaltend hohe Wasserstände und die damit verbundene Trübung und starke Strömung erschwerten das Fischen. Dennoch wurden auch dieses Jahr wieder mehrere Quappen insbesondere im Umfeld der Klostermersch nachgewiesen. Dieser landesweit extrem seltene Fisch ist eine Charakterart von Tieflandflüssen und wegen des Ausbaus der heimischen Gewässer nahezu ausgestorben. Die Renaturierung von Flüssen und Auen ist für ihr Überleben entscheidend.
Ein Thema zeigte besonders deutlich, dass viele Mitbürger an der heimischen Natur interessiert sind: die erste Weißstorchbrut im Kreis Soest seit 59 Jahren! Und zur großen Freude der ABU hatten sich die Weißstörche zur Brut die Hellinghauser Mersch bei Lippstadt ausgesucht, die die Nordrhein-Westfalen-Stiftung gemeinsam mit der ABU entwickelt und betreut. Zwei Junge flogen Ende Mai aus. Mit dem Bau von Nisthilfen, gemeinsam mit der Bio-AG der Christian-Rohlfs-Realschule in Soest, soll die Ansiedlung weiterer Storchenpaare unterstützt werden.
Neben einer außergewöhnlichen Brut der Sumpfohreule in der Hellwegbörde machte unter den Vogelkundlern ein weiteres Ereignis von sich reden: Eines der wenigen heimischen Wanderfalkenpaare hatte ein altes Krähennest in einer Pappel ausgesucht und zog dort einen Jungvogel groß. Eine Sensation und möglicherweise die erste Baumbrut des Wanderfalken in Westdeutschland seit Jahrzehnten. Bemerkenswert ist dieses Ereignis auch deshalb, weil die Population baumbrütender Wanderfalken, die einst in Ostdeutschland verbreitet war, praktisch ausgelöscht war. Seit einigen Jahren laufen Bemühungen, das Wiederentstehen einer Baumbrüterpopulation zu ermöglichen. Der Brutort der diesjährigen Baumbrüter im Kreis Soest wird aus Schutzgründen nicht bekannt gegeben.
Die Rinder der ABU sind wichtige Helfer für das Entstehen vielfältiger, naturnaher Auenlandschaften an der Lippe. Auf den großflächigen Weiden fressen sie, was ihnen schmeckt, und lassen weniger attraktive Kost links liegen. So entstehen außerordentlich abwechslungsreiche Lebensräume aus begrasten Weiderasen, Dornengebüschen und kleinen Gehölzgruppen in enger Nachbarschaft. Die Tiere stören sich nicht an dem, was die Hochwasser hinterlassen: angeschwemmtes Holz, Sandbänke und wassergefüllte Tümpel finden sich vielfach auf den Weiden und sind Lebensraum vieler Tiere und Pflanzen. Und zudem gewinnen die Rinder der ABU auch regelmäßig Preise. Joachim Drüke: „Es hat sich weit herumgesprochen, dass unsere „Taurus-Rinder“ dem Vorbild des ausgestorbenen Auerochsen schon ziemlich nahe kommen. Wir können daher viele Tiere erfolgreich vermarkten.“
„Neben erfreulichen Dingen gibt es aber auch Entwicklungen, die uns erhebliche Sorgen machen“, so Joachim Drüke. Der Natur in unseren Feldlandschaften geht es immer schlechter. Zwar hat der sehr hohe Mäusebestand in diesem Jahr für die Wiesenweihen paradiesische Bedingungen beschert: 32 Paare brüteten und der Bruterfolg war sehr gut. Dieses Ausnahmejahr kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der langfristige Trend eindeutig negativ ist. Zudem wird der Wegfall der Pflicht zur Stilllegung landwirtschaftlicher Flächen das Nahrungsangebot weiter verringern. Die stark gestiegenen Getreidepreise – den Bauern seien sie gegönnt – machen zudem die Vertragsangebote des Naturschutzes weniger attrak-tiv bzw. weniger wirksam. Eine ehemalige Charakterart der Börde, die hier einst mit mehr als tausend Brutpaaren vertreten war, hat in diesem Jahr nach anhaltendem Rückgang wohl nicht mehr in der Hellwegbörde im Kreis Soest gebrütet: die Grauammer.
Konstruktive Kontakte gab es zu Minister Uhlenberg, u.a. anlässlich der Umweltministerkonferenz in Bad Sassendorf. Nach wie vor wirken sich die starken Kürzungen im Naturschutzhaushalt des Landes allerdings sehr negativ aus. Viele Maßnahmen für die heimische Natur können mangels Geld nicht realisiert werden. „Das politische Ziel, das Artensterben bis 2010 entscheidend zu bremsen, wird mit einem Mitteleinsatz von weniger als einem Euro je Einwohner und Jahr sicher nicht erreicht“, ist sich Joachim Drüke sicher. Positiv zu vermerken ist, dass die Finanzierung der Schuzgebietsbetreuung durch die Biologischen Stationen bis 2010 auf dem jetzigen Level gesichert ist. Hierfür dankt die ABU Minister Uhlenberg, der sich in der Koalition hierfür eingesetzt hat. Allerdings sind Projekte und Maßnahmen der Biologischen Stationen neuerdings von bestimmten Förderprogrammen seines Hauses abgeschnitten, davon ist auch die ABU betroffen. „Dies schadet dem Naturschutz und verprellt ausgerechnet diejenigen, die mit ihrem Engagement und ihren Erfahrungen in der Lage sind, Schutzgebiete für die Tiere und Pflanzen und für die naturinteressierten Mitbürger voranzubringen“, so Joachim Drüke.
Die neue Landrätin, Eva Irrgang, ist für die ABU keine Unbekannte. Vielfältige Kontakte bestanden zu ihr auch schon als frühere Fraktionschefin der CDU im Kreistag. Weitere Gespräche sind vereinbart, die ABU setzt auf ein konstruktives Miteinander.
Abschließend gab der ABU-Vorsitzende einen kurzen Ausblick auf die nächsten Monate. Neben der Betreuung heimischer Schutzgebiete erarbeitet die ABU derzeit u.a. einen Weideleitfaden, der andere in die Lage versetzen soll, naturnahe Weideprojekte wie die in der Lippeaue einzurichten. Für mehr Natur in den Bachtälern im Arnsberger Wald ist gemeinsam mit dem Forstamt Arnsberg, dem Naturpark und der Biologischen Station im Hochsauerlandkreis ein Projekt entwickelt worden, für das Mittel der EU, aus dem Programm LIFE-plus, und des Landes beantragt werden. Für naturinteressierte Bürger sollen die Auenlandschaften an Lippe und Ahse noch attrraktiver werden: ein entsprechendes Projekt, das Beobachtungsmöglichkeiten und Informationsangebote schaffen soll, wird derzeit entwickelt.
Weitere aktuelle Projekte sind folgende: Betreuung von Schutzgebieten, Naturschutz in den Feldlandschaften (Umsetzung Hellwegbördevereinbarung, Weihenschutz), Erfolgskontrolle von Renaturierungsmaßnahmen an der Lippe, Mitarbeit am LIFE-Projekt Lippeaue Hamm.
Die ABU arbeitet daran, Öffentlichkeitsarbeit, Mitgliederbetreuung und Gewinnung ehrenamtlicher Mitarbeit zu verbessern. Anregungen aus einer externen Beratung und aus den eigenen Reihen werden diskutiert und Schritt für Schritt umgesetzt.
Das öffentliche Veranstaltungsprogramm wird auch im nächsten Halbjahr unentgeltlich angeboten, für angefragte Exkursionen ist künftig jedoch ein geringes Entgelt festgesetzt. Das neue Exkursionsprogramm liegt vor: u.a. wurde eine Veranstaltungserie „Artenvielfalt kennen lernen“ neu aufgelegt. Wer darüber hinaus für eine Gruppe Interessierter eine Exkursion in die heimische Natur wünscht, sollte sich bei der ABU melden. Die Website www.abu-naturschutz.de wird laufend weiter entwickelt. Die Rubriken „aktuelle Meldungen aus der Natur“ und die „Nachrichten“ werden fast täglich aktualisiert.
Mit der Bitte, die Arbeit der ABU für die heimische Natur und für die naturinteressierten Mitbürger mit einer Spende zu unterstützen, beschloss der ABU-Vorsitzende seinen Rück- und Ausblick.
Anschließend zog Professor Dr. Wilfried Stichmann die Zuhörer in seinen Bann. Über 50 Jahre hat er das vogelkundliche Geschehen auf dem Möhnesee gemeinsam mit seiner Frau Ursula Stichmann-Marny wissenschaftlich exakt dokumentiert. Ergebnis ist eine überaus beeindruckende Datenreihe, die viel über die Entwicklung des Sees, über seine Vogelwelt und über großräumige Veränderungen, z.B. des Klimas, erzählt. Eine wichtige Einflussgröße war in dieser Zeit der Bau von Kläranlagen im Einzugsgebiet, der das frühere Nährstoffüberangebot im See deutlich verringerte. Ein weiterer wichtiger Einfluss: wärmeres Klima hat dazu geführt, dass einst regelmäßige Gäste aus dem Norden und Osten, wie z.B. die Singschwäne, inzwischen nur noch ausnahmsweise am See beobachtet werden können. Und die von Jahr zu Jahr unterschiedlichen Schwankungen des Wasserspiegels der Talsperre haben einen großen Einfluss auf die Hauptnahrung vieler Wasservögel, die Wandermuscheln. Viele der gewonnenen Daten sollen in den nächsten Monaten noch weiter gehend ausgewertet und veröffentlicht werden. Alle Zuhörer waren darüber beeindruckt, wie groß der Wert langjährigen ehrenamtlichen Engagements für die Naturkunde sein kann.

 

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