Insekten in der Hellinghauser Mersch

Insekten in der Hellinghauser Mersch

Die Baldrianfluren in der Hellinghauser Mersch sind ein Paradies für Insekten (H. Vierhaus)Große Bereiche der Lippeauen im Kreis Soest sind heute Naturschutzgebiet. Auf diesen Flächen, z. B. der Hellinghauser Mersch bei Lippstadt, erfolgt keine oder nur eine sehr schonende landwirtschaftliche Nutzung. Hier findet inzwischen eine erfreuliche Entwicklung zu einer reichen Pflanzen- und Tierwelt statt. Dabei helfen die großen Pflanzenfresser der ABU, die Taurus-Rinder, die Flächen offen zu halten und zu gestalten. Das im Rahmen der Lipperenaturierung erweiterte Flussbett und die angrenzenden Auen erfüllen auch den Zweck gelegentliche Hochwassermengen entlang des Flusses gefahrlos zurück zu halten und leisten so einen wesentlichen Beitrag zum Schutz der Städte und Dörfer an Lippe vor Überschwemmungen. Die Bruten der Weißstörche zwischen Lippstadt und Hamm sind der schönste Beleg dafür, dass die Einrichtung dieser Schutzgebiete ein Erfolg ist. Spektakulär ist auch die Ansiedlung von Bibern entlang der Lippe. Diese Tiere gehen sicherlich auf die am Niederrhein begründete Population zurück. Leider bekommt man die nachtaktiven Biber kaum zu sehen, viel eher wird man einer Nutria begegnen, der große Wassernager, der aus Pelztierfarmen entwichen ist und sich heute an der Lippe sehr wohl fühlt.

 Als Vertreter der Tierwelt finden meist nur die Taurus-Rinder der ABU eine entsprechende Würdigung (H. Vierhaus) Seit 2007 brüten wieder Weißstörche in den inzwischen renaturierten Lippeauen (H.Vierhaus) Grünfrosche gibt es in manchen Tümpeln wieder so reichlich, dass die Störche ruhig ein paar davon erbeuten können (H. Vierhaus) Nutrias sind an der Lippe oft auch tags über zu beobachten. Sie ähneln zwar Bibern, haben aber nicht deren breiten Schwanz (H. Vierhaus)

 

 

 

 

 Goldaugenbremsen nähern sich ihrem Opfer mit leisem Flug, um es dann umso schmerzhafter anzuzapfen (H. Vierhaus)Insekten in den Schutzgebieten finden meist nur dann Beachtung, wenn sie auffällig wie Schmetterlinge und Libellen sind oder wenn sie wie Goldaugenbremsen unangenehm aufdringlich werden. Aber ein genauer Blick auf die vielfältige Welt der übrigen  „Krabbeltiere“ in der Hellinghäuser Mersch lohnt sich, wobei eine endgültige Bestimmung der zahlreichen hier lebenden Arten etwa alleine anhand von Fotografien oft nicht möglich ist. Viele Insekten profitieren von den sommerlichen Baldrianfluren und weiteren Blütenpflanzen. Auch die Hinterlassenschaften der Rinder und Pferde in der Hellinghäuser Mersch haben ihre Liebhaber etwa unter den Käfern.
Besonders intensiv ist das Insektenleben an einer nach Süden weisenden Lehmwand, die ein Überbleibsel von den Renaturierungsarbeiten am Fluss ist. Kleine Wasserhahn-ähnliche Röhrchen, die aus der Wand ragen, gaben Rätsel auf. „Schornsteinwespen“ stellten sich als die Baumeister heraus, die in dem dahinter liegenden Gang ihre Brut haben. Die Wand ist außerdem mit zahlreichen Löchern übersäht, die in die Niströhren von solitären Wildbienen führen. Es sind hier fast ausschließlich „Gemeine Sandbienen“ (Andrena flavipes), die hier kolonieartig ihre Brutkammern angelegt haben und sich so um ihrenNachwuchs kümmern.

 Die Lehmwand in der Hellinghauser Mersch, übrig geblieben von den Baggerarbeiten an der Lippe (H. Vierhaus) Merkwürdige kleine Röhrchen an der Lehmwand. Wer ist der Baumeister derselben? (H.Vierhaus) Da kommt die Produzentin, eine Schornsteinwespe (Odynerus spinipes), die in dem dahinter sich anschließenden Gang ihren Nachwuchs mit Raupen versorgt (H. Vierhaus) Die Schornsteinwespe verlängert noch fleißig ihren „Wasserhahn“ (H. Vierhaus)  Die vielen Löcher in der Lehmwand sind die Eingänge zu den Brutzellen von Sandbienen (H.Vierhaus) Das ist die „Gemeine Sandbiene“, Andrena flavipes, die Hauptbewohnerin der Lehmwand (H.Vierhaus) Ein frisch geschlüpftes Sandbienenweibchen wird sofort von mehreren Männchen belagert (H. Vierhaus)

 

 

 

 

 

 

 

 

Und wo so viele fleißige Wildbienen herum schwirren und Futter herbei tragen, stellen sich gleich auch Nutznießer, Räuber und Schmarotzer, ein. Die Knotenwespe wie auch der Bienenwolf erbeuten Sandbienen und die Wespenbienen praktizieren ihre Eier in die Wiege des Sandbienen-Nachwuchses. Daher werden sie auch gerne Kuckucksbienen genannt. Auch Blutbienen und verschiedene Goldwespenarten sind Brutschmarotzer bei den Sandbienen, während die Larven der Gichtwespen sogar Ei oder Made der Wildbienen fressen. So könnte man an der Lehmwand den Eindruck gewinnen, dass die Sandbienen nicht viel Erfolg mit der Produktion von Nachkommen haben. Auch die räuberische Grabwespe Gorytes lässt sich an diesem Ort beobachten. Diese solitär „brütende“  Wespenart versorgt ihren Nachwuchs mit erbeuteten kleinen Zikaden. Und natürlich halten sich an der Wand auch Vertreter ganz andere Insektenordnungen, wie Fliegen und Käfer  mehr oder weniger zufällig auf. Schließlich sind die großen Pflanzenfresser in der Hellinghauser Mersch, die Pferde und die Rinder, auch Lebensraum für Insekten, was den Tieren aber selten angenehm ist.

 Diese ‚Bienenjagende Knotenwespe’ (Cerceris rybiensis) hat merkwürdig viele Beine. Tatsächlich hat sie gerade eine der Sandbienen erbeutet (H. Vierhaus) Die Wespenbiene Nomada fucata ist als Kuckucksbiene auf den Wirt „Gemeine Sandbiene“ spezialisiert (H. Vierhaus) Auch Blutbienen (Sphecodes spec.) sind Brutparasiten bei Wildbienen (H. Vierhaus)Die schöne und agile Goldwespe, wahrscheinlich Chrysis ignita, parasitiert Bruten der solitären Faltenwespe Ancistrocerus, die auch die Lehmwand als Brutplatz nutzt. Die Goldwespenlarven fressen schließlich sogar die Maden ihres Wirtes auf (H. Vierhaus)Die Bunte Goldwespe, Chrysis viridula, mit dem blauen „Hintern“ parasitiert gerne bei Schornsteinwespen (H.Vierhaus) Diese Bunte Goldwespe gräbt eine bereits verschlossen Brutzelle einer Sandbiene auf, um dann darin ihr eigenes Ei unterzubringen (H. Vierhaus) Diese kleine, ganz grüne Goldwespe, wohl Chrysis cyanea, läuft ebenfalls ganz aufgeregt an der Lehmwand herum (H. Vierhaus) Auch die zarten Gichtwespen, hier ein Männchen von Gasteruption spec., parasitieren Wildbienen (H. Vierhaus)Die Fliegen an der Lehmwand sitzen da auch nicht aus Langeweile. Vielleicht sind sie an den Abfällen einer solchen Brutkolonie interessiert oder es handelt sich um sogenannte Satellitenfliegen (Miltogramma), die Bienen parasitieren (H.Vierhaus)Diese Grabwespe, Gorytes cf. laticinctus, versorgt ihren Nachwuchs in den Niströhren mit kleinen Zikaden (H. Vierhaus) Dieser Gelbrandrüsselkäfer (Chlorophanus viridis) hat sich als Pflanzenfresser nur an die Lehmwand verirrt (H. Vierhaus) Die Stute in der Pferdegruppe der Hellinghauser Mersch ist gar nicht glücklich über die lästigen Fliegen und Bremsen (H. Vierhaus)

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