Kiebitze

Kiebitze in NRW

Die Entwicklung und Situation in Nordrhein-Westfalen (aus: Nehls et al. (2001)):
Zahlen oder Schätzungen des Landesbestandes liegen aus früheren Jahrzehnten nicht vor; die Art war auch hier so häufig, dass sie bei Wiesenvogelerfassungen oft nicht miterfasst wurde. Großflächig betrug die Siedlungsdichte 1979 jedoch z.B. im Münsterland noch über 1,2 Revierpaare/10 ha, 1989/90 im gleichen Raum jedoch nur noch 0,1 Revierpaare/10 ha; viele Räume werden inzwischen gar nicht mehr besiedelt (Biologische Station Rieselfelder Münster 1981, OAG Münster 1992).

Eine aktuelle Kartierung des nördlichen Münsterlandes im Jahr 1999 bestätigt großflächig die geringe Siedlungsdichte, während es in Teilräumen auch zu höheren Dichten von 0,2 Paaren / 10 ha kommen kann (Blühdorn 2001). Auch für Ostwestfalen (Gütersloh und Bielefeld) und den Kreis Soest liegen großflächigere quantitative Erhebungen vor. Im Kreis Soest hat sich die besiedelte Fläche von 1972 zu 1989 um rund 30 % verkleinert und von 1989 zu 1997 ging sie nochmals um 10 % zurück (Drüke 1998). Von Ende der 1980er Jahre bis Ende der 1990er Jahre erfolgte im nördlichen Münsterland und im Kreis Soest eine großflächige Aufgabe von Brutflächen; im nördlichen Münsterland zumindest scheint der Bestand aber insgesamt relativ konstant. Für den Kreis Gütersloh und die Stadt Bielefeld liegen quantitative Erfassungen von 1991, 1995 und 1998 vor. Der Bestand war 1991 mit 978 Paaren und 1998 mit 946 Paaren ungefähr gleich, während 1995 mit 770 Paaren ein deutlich geringerer Bestand festgestellt wurde (Biologische Station Gütersloh / Bielefeld 1999). Die aktuelle Siedlungsdichte liegt bezogen auf den potentiell besiedelbaren Raum geringfügig über der des nördlichen Münsterlandes. Für 1996 wurde der Landesbestand auf ca. 12.000 - 16.000 Paare geschätzt (GRO & WOG 1997).
- Biologische Station Gütersloh / Bielefeld e.V. (1999): Wiesenvogelkartierung im Kreis Gütersloh und der Stadt Bielefeld 1998. unveröff. Manuskript.
- Biologische Station Rieselfelder Münster (1981): Rapider Bestandsrückgang des Kiebitzes (Vanellus vanellus). Ber. Dt. Sekt. Int. Rat Vogelschutz 21: 31-34.
- Blühdorn, I. (2001): Zum Brutbestand des Kiebitzes Vanellus vanellus im nördlichen Münsterland 1999 im Vergleich zu 1972/73 und 1989/90. Vogelwelt 122, 15-28.
- Drüke, J. (1998): Kiebitzkartierung 1997. ABUinfo 22 (1/98): 6-7.
- GRO & WOG (1997): Rote Liste der gefährdeten Vogelarten Nordrhein-westfalens. Stand: Oktober 1996. Charadrius 33: 69-116.
- Nehls, G., B. Beckers, H. Belting, J. Blew, J. Melter, M. Rode & Sudfeldt, C. (2001): Situation und Perspektive des Wiesenvogelschutzes im Nordwestdeutschen Tiefland. Corax 19. in Druck.
- OAG Münster (1992): Zur Situation des Kiebitz Vanellus vanellus im nördlichen Münsterland: Teilaspekt einer Rasterkartierung. Vogelwelt 113: 113-121.


Kiebitzbruten 1997


1211 brütende und brutverdächtige Kiebitz-Paare - hier als rote Punkte dargestellt - wurden bei der kreisweiten Kartierung im April 1997 von ehrenamtlichen Mitarbeitern der ABU erfasst.
Der vermutliche Brutbestand dürfte bei etwa 1000 Paaren liegen, da in der fünfwöchigen Kartierzeit solche Paare doppelt erfasst werden können, die sich nach Gelegeverlusten einen anderen Brutplatz suchen.
Mit dieser Kartierung ist eine gute Grundlage gelegt, um künftige Bestandsveränderungen dieses einst weit verbreiteten Vogels unserer Feld- und Wiesenlandschaften verfolgen zu können.


Kiebitzbestand von 1972 bis 1997

1972 erfassten Mitarbeiter der Westfälischen Ornithologen-Gesellschaft erstmals die Kiebitzverbreitung im Kreis Soest.
Der Kreis wurde hierfür in ca. 700 gleichgroße Rechtecke, den sogenannten Minutenfeldern eingeteilt. Sie haben eine Fläche von je 2 km². Sie wurden daraufhin überprüft, ob Kiebitze dort brüten. Auf diese Weise entstanden die oben abgebildeten Rasterkarten der Kiebitzverbreitung.
Mitarbeiter der ABU wiederholten 1989 und 1997 diese Kartierung:
Ergebnis: 37% der 1972 noch besetzten Flächen waren 1989 verwaist, nur 7% waren neu besiedelt. Der Kiebitzbestand hatte drastisch abgenommen. Von 1989 auf 1997 reduzierte sich die vom Kiebitz besiedelte Fläche nochmals um 10 %.


Jungvogel

Kiebitzküken sind zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Beim Warnruf der Altvögel ducken sie sich und werden so fast unsichtbar. Derweil versuchen die Altvögel alles, was ihrem Nachwuchs gefährlich werden könnte, abzulenken und zu vertreiben. Besonders gut gelingt dies den Altvögeln mit tatkräftiger Hilfe anderer Kiebitze. Das Brüten in Kolonien erweist sich hierbei als großer Vorteil.


 
Lebensraum

Kiebitze brüten sowohl in Feuchtgebieten als auch auf Äckern.


Nasse Wiesen und Flußauen waren früher der bevorzugte Lebensraum der Kiebitze. Der Nahrungsreichtum ermöglichte das Brüten in großen Kolonien, ein guter Bruterfolg war gewährleistet. Heute sind diese Lebensräume sehr selten geworden. Und die meisten Feuchtwiesen sind heute nicht mehr naß genug, als daß sich der Kiebitz dort richtig wohl fühlen könnte. Was er vor allem braucht, sind lückige Wiesen mit annähernd bewuchsfreien Bereichen dort, wo im Winter und im zeitigen Frühjahr lange das Wasser stand.

Äcker sind heute der überwiegende Brutplatz der Kiebitze. Der vegetationsfreie Boden lädt sie zum Brüten ein. Doch wenn die Felder bestellt und bearbeitet werden, bedeutet dies regelmäßig das Ende der Gelege. Zwar brüten Kiebitze dann erneut, doch auch dann ist der Erfolg nicht sicher. Zudem ist Insektennahrung knapp auf vielen Äckern. Die Elternvögel versuchen oft, ihre Jungen auf benachbarte Wiesen zu führen - wenn es die in der Nachbarschaft noch gibt.

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