Schutz von Rohr- und Wiesenweihen

Schutz von Rohr- und Wiesenweihen


Heimische Wiesenweihen auf dem Zug nach Afrika (2007) 19.09.2007

„Es ist faszinierend zu sehen, welche Strecken und Hürden Wiesenweihen auf ihrem Zug in den Süden bewältigen“, stellt staunend Hubertus Illner fest, der das Weihenschutzprogramm bei der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz betreut. Mit Spannung war erwartet worden, wohin die mit Sendern versehenen, westfälischen Wiesenweihen ziehen werden. Ein Weibchen mit Namen Doris startete am 27. August dieses Jahres unweit ihres Brutplatzes bei Langeneicke.
Schon zwei Wochen später war Doris südlich von Béchar in Algerien angelangt. Hinter ihr lagen über 2500 km Flugstrecke, die Überquerung der Pyrenäen, des westlichen Mittelmeeres sowie des Atlas-Gebirges. „Solche Erkenntnisse sind nun erstmals dank modernster Satellitenortung möglich“, erläutert Hubertus Illner.

Doris wurde nach dem Ausfliegen ihrer Jungen gefangen und auf ihrem Rücken wurde ein solarbetriebener Sender angebracht, dessen Signale von Satelliten aufgefangen werden. Mit diesen Satellitendaten lassen sich die Zugwege und Aufenthaltsorte der Vögel lückenlos verfolgen. Von einem bei Ehringhausen besenderten Jungvogel mit Namen Theodora wurde nach einer langen, technisch bedingten Sendepause erst am 8. September ein erstes Signal empfangen, und kaum zu glauben, ebenfalls aus Algerien bei Béchar. Theodora überflog dann in zwei Tagen die Sahara (knapp 800 km), um nach über 3000 km Flugstrecke in die seenreiche Landschaft bei Tombouctou in Mali zu gelangen.

Fang und Besenderung der Wiesenweihen geschahen im Rahmen eines Forschungsprojektes der Universität Groningen und der Vogelwarte Helgoland.
Die meisten bisher mit Sendern ausgestatteten Wiesenweihen aus Holland wählten eine südwestliche Zugroute über Gibraltar nach Westafrika.
Eine ostpolnische Wiesenweihe zog auf einer noch weiter östlich gelegenen Route über Griechenland nach Afrika, legte dabei stolze 2800 km in fünf Tagen zurück.
Einige der besenderten Wiesenweihen konnten auch auf ihrem Rückzug in die Brutgebiete verfolgt werden, erstaunlich dabei: sie wählten meist die gleiche Route wie im Herbst.

Die Senderdaten geben auch wichtige Hinweise auf die Lebensweise und Gefährdungsfaktoren der seltenen Wiesenweihe während des Zuges und im Winterquartier.
So wurde eine der ersten besenderten Wiesenweihen von einem Dorfbewohner im Norden Nigerias gefangen und getötet, um eigentlich im Kochtopf zu landen.
Wegen des Senders an dem Vogel kamen im Dorf schaurige Gerüchte auf und so gelangte der Vogel in die Hände eines Veterinärs, über den wiederum die Wiesenweihen-Schützer aus Groningen Kenntnis von dem Fund bekamen.
Kurzerhand wurde von diesen eine erfolgreiche Aufklärungskampagne in der nigerianischen Presse gestartet, in der die Bevölkerung darüber aufgeklärt wurde, dass die Wiesenweihen entgegen landläufiger Meinung keine Kükendiebe sind. Vielmehr erbeuten die Weihen in der Savannenlandschaft bevorzugt Heuschrecken, die für die Landwirtschaft ein ernstes Problem darstellen.
Die Zugwege der westfälischen und weiterer Wiesenweihen sind unter http://www.grauwekiekendief.nl/index_eng.php anzuschauen.
(Hubertus Illner, ABU)


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"Margret" im Mai 2008 zurück in der Hellwegbörde und dann? 10.09.2008

Am 11. Mai 2008 war es so weit, das Wiesenweihen-Weibchen "Margret" wurde nur 200 m von ihrem Fangort im Juli des Vorjahres von Herman Knüwer erstmals gesichtet, die eindeutige Identifizierung gelang dann wenig später über die Ablesung des Farbringes.
Sie verpaarte sich dann auch mit einem Männchen, von dem sie regelmäßig Futter bekam, auch Kopulationen waren zu sehen. Das Männchen fing an ein Nest zu bauen und führte Zeigeflüge dorthin aus, aber Margret tätigte dort kein Gelege. Bis Mitte Juni wurde Margret bei Langeneicke regelmäßig beobachtet. Mehrere Ursachen sind für das Ausbleiben eines Brutversuches denkbar. Margret war mit deutlicher Verspätung im Brutgebiet angekommen, als die meisten anderen Wiesenweihen schon verpaart waren.
Vielleicht hat sie dadurch kein besonders jagdgewandtes Männchen als Partner finden können, welches in einem sehr mäusearmen Jahr wie 2008 wahrscheinlich Probleme hatte, das Weibchen mit ausreichend Nahrung zu versorgen.
Aber auch Altersschwäche kann eine Rolle gespielt haben, denn über die Ringdaten von Margret war ermittelbar, dass sie 1993 als Jungvogel nur wenige Kilometer weiter östlich von Frau Doris Glimm beringt worden war. Mit ihren gut 15 Jahren hat sie für Wiesenweihen ein biblisches Alter erreicht, wahrscheinlich ist sie die älteste bekannte Wiesenweihe überhaupt.

Was passierte weiter mit der aus der Hellwegbörde verschwundenen Margret? Erneute Satellitenpeilungen zeigten in der Folge, dass sie noch lebt, aber nach Osten abgewandert war. Am 23. Juni wurde sie im Grenzbereich Süd-Niedersachsen-Thüringen geortet, am 10. und 15. Juli gab es gute Sendesignale weiter südlich am Nordrand des Thüringer Beckens bei Sondershausen, in den folgenden Wochen bis mindestens zum 27. August hielt sie sich konstant im Bereich nordwestlich von Erfurt auf.
Der vom 30. Juli bis zum 27. August beflogene Raum umfasst nur etwa eine Fläche von 10 x 8 km, was der Größenordnung von Jagdterritorien von Männchen am Brutplatz entspricht. Die fruchtbaren Ackerböden des Thüringer Beckens sind wie die Hellwegbörde durch Getreidenanbau geprägt. Nach Aussagen dortiger Ornithologen wurden hier auch vereinzelt Bruten der Wiesenweihe festgestellt, was die grundsätzliche Eignung dieses Raumes für die Wiesenweihe unterstreicht.
Zudem gibt es von Thüringer Ornithologen Hinweise, dass es dort zumindest im Sommer ein gutes Angebot an Wühlmäusen gab, ganz im Gegensatz zur Situation in der Hellwegbörde in diesem Jahr.
Offenbar hat sich Margret also ein passendes Gebiet ausgesucht, um ausreichend Reserven für den herbstlichen Wegzug nach Afrika aufzubauen. Anfang September gab es zwei relativ ungenaue Peilungen aus dem Bereich südlich von Kassel, die auf den Beginn des Wegzuges nach Westafrika hindeuten.

Wir können gespannt sein, ob sie nochmals den strapaziösen Flug nach Westafrika und wieder zurück in die Hellwegbörde schafft (Einzelheiten zum satellite tracking sind in Kürze wieder unter http://www.grauwekiekendief.nl/index_eng.php zu erfahren).
Die Dokumentierung der ungewöhnlichen „Brutsaison“ von Margret war nur möglich durch den Einsatz neuester Sendertechnik. Der Niederländischen Wiesenweihenstiftung gilt unser Dank für die Mitteilung der Satellitendaten.
(Hubertus Illner, ABU)

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